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Mähnenwolf

Chrysocyon brachyurus

NTPotenziell gefährdet
Ein Mähnenwolf mit langen, dünnen schwarzen Beinen, rotbraunem Fell und großen aufrechten Ohren steht in hohem Gras.Foto: Pablo H Capovilla, CC BY

Messwerte

Gewicht
21,5–21,5 kg
Lebensdauer
≤ 16,8 Jahre
Klassifikation
Stamm
Chordata
Klasse
Mammalia
Ordnung
Carnivora
Familie
Canidae
Gattung
Chrysocyon
Art
Chrysocyon brachyurus

Mit seinen bis zu 110 Zentimeter langen, dünnen schwarzen Beinen ist der Mähnenwolf der größte aller wildlebenden Hundeartigen – trotzdem ist er weder ein Wolf noch ein Fuchs, sondern die einzige Art der Gattung Chrysocyon.

:::insight{title="Der "Stinkwolf""} Seine Reviermarkierungen riechen so intensiv nach Cannabis, dass ein Zoo in Rotterdam deswegen einst versehentlich eine Polizeirazzia gegen vermeintliche Kiffer auslöste. :::

Die Art lebt in den Graslandschaften und Savannen Südamerikas, vor allem in Brasilien, Argentinien, Bolivien, Peru und Paraguay, während sie in Uruguay bereits im 19. Jahrhundert ausstarb. Die IUCN führt den Mähnenwolf als "Potenziell gefährdet" – eine Art im Umbruch zwischen weiter Verbreitung und wachsendem Siedlungsdruck. Sein bizarrer Körperbau, sein Sozialleben in lockeren Paaren und seine Vorliebe für eine tomatenähnliche Frucht machen ihn zu einem der eigenwilligsten Vertreter der Hundeartigen.

Identifikation und Erscheinungsbild

Das auffälligste Merkmal ist die Silhouette: extrem lange, dünne schwarze Beine, die den Rumpf hoch über das Gras heben, kombiniert mit einer aufrichtbaren schwarzen "Mähne" am Nacken. Diese Mähne kann der Mähnenwolf aufstellen, um bei Bedrohung oder Imponiergehabe größer zu wirken.

Erwachsene Tiere wiegen rund 21,5 Kilogramm, erreichen eine Schulterhöhe von bis zu 110 Zentimetern und eine Kopf-Rumpf-Länge von etwa 100 Zentimetern; der Schwanz kommt noch einmal mit rund 45 Zentimetern hinzu. Die großen, langen Ohren messen etwa 18 Zentimeter und dienen vermutlich dem Aufspüren von Beute im hohen Gras. Das Fell ist an den Flanken rötlich-braun bis goldorange gefärbt, ergänzt durch eine weiße Schwanzspitze und einen weißen "Latz" an der Kehle. Sehr selten treten melanistische, also komplett schwarze, Individuen auf – das erste fotografische Zeugnis eines solchen Tieres stammt aus einer Kamerafalle im Norden von Minas Gerais, Brasilien, aus dem Jahr 2013.

Junge Mähnenwölfe kommen mit dunklem, fast schwarzem Fell zur Welt und nehmen erst im Lauf mehrerer Wochen die bronzefarbene Erwachsenenfärbung an. Der Schädel trägt reduzierte Fangzähne im hinteren Gebiss, kleine obere Schneidezähne, lange Eckzähne und einen deutlich ausgeprägten Scheitelkamm.

Von Hunden lässt sich der Mähnenwolf gut anhand seiner Fußabdrücke unterscheiden: Seine Ballen sind im Verhältnis zu den weit gespreizten Zehenabdrücken deutlich kleiner, während Hundeballen bis zu dreimal größer ausfallen. Die vorderen Pfotenabdrücke sind 7 bis 9 Zentimeter lang, die hinteren 6,5 bis 9 Zentimeter; ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die enge Verbindung des dritten und vierten Zehs.

Verbreitung und Lebensraum

Der Mähnenwolf besiedelt ein großes, aber lückenhaftes Gebiet im zentralen Südamerika: Er kommt in Argentinien, Brasilien, Bolivien, Peru und Paraguay vor, ist in Uruguay dagegen praktisch ausgestorben.

Seine bevorzugten Lebensräume sind offene Graslandschaften und Savannen, ergänzt durch trockenes Buschland, Sumpfgebiete, Waldränder und Flussufer. Diese Mischung aus offenen Flächen zum Jagen und dichterer Vegetation zum Ruhen prägt sein gesamtes Verbreitungsgebiet.

Monatliche Beobachtungsdaten zeigen das ganze Jahr über eine relativ konstante Präsenz mit einem auffälligen Anstieg im April, gefolgt von erhöhten Werten bis in den Herbst hinein. Solche Zahlen spiegeln jedoch nur gemeldete Sichtungen wider, nicht die tatsächliche Bestandsdichte oder das vollständige Verbreitungsgebiet, weshalb sie nur als vorsichtiger Hinweis auf saisonale Beobachtbarkeit zu werten sind.

Karte der dokumentierten Nachweise von Chrysocyon brachyurus
Wo die Art nachgewiesen wurde · GBIF
261
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Monatliche Vorkommenszahlen · GBIF

Verhalten und Lebensweise

Der Mähnenwolf ist überwiegend nachtaktiv mit Aktivitätsspitzen in der Dämmerung, meist zwischen 8 und 10 Uhr morgens sowie zwischen 20 und 22 Uhr abends. An kühlen oder bewölkten Tagen kann er jedoch auch tagsüber unterwegs sein, da seine Aktivität stärker von Temperatur und Luftfeuchtigkeit als von reiner Tageszeit gesteuert wird. Tagsüber ruht er meist in dichtem Gebüsch oder in Ufergehölzen, besonders an heißen Tagen.

Anders als die meisten großen Wildhunde wie Grauwolf, Afrikanischer Wildhund oder Rothund lebt der Mähnenwolf nicht im Rudel, sondern solitär. Die soziale Grundeinheit bildet ein Männchen-Weibchen-Paar, das ein gemeinsames Revier von durchschnittlich 27 bis rund 30 Quadratkilometern verteidigt, sich dabei aber weitgehend unabhängig voneinander bewegt. Beide Partner jagen, wandern und ruhen einzeln und treffen sich nur zur Paarungszeit enger aufeinander. Reviergrenzen werden strikt eingehalten, während wandernde, revierlose Männchen die Ränder benachbarter Territorien patrouillieren und frei gewordene Plätze nach dem Tod oder Fang ansässiger Männchen übernehmen.

In menschlicher Obhut zeigen Väter überraschend viel Fürsorge: Sie unterstützen das Weibchen bei der Geburt und beteiligen sich an Pflege, Fütterung und Verteidigung der Jungen. Gleichgeschlechtliche Paare tragen dagegen zunächst Rangkämpfe aus, bevor sich eine Hierarchie einspielt – bei Wurfgeschwistern beginnt dieser Prozess bereits im Alter von etwa einem Monat.

Bei reichhaltigem Nahrungsangebot, etwa auf einer frisch abgebrannten Grasfläche mit freigelegten Kleintieren, können sich mehrere erwachsene Tiere vorübergehend an einem Ort versammeln, obwohl sie sonst Einzelgänger sind.

Kommunikation

Zur Verständigung nutzt der Mähnenwolf vor allem chemische und taktile Signale. Urin und Kot werden regelmäßig an festen Stellen abgesetzt und markieren sowohl Reviergrenzen als auch Jagdpfade und die Verstecke erbeuteter Tiere.

Der Urin besitzt einen extrem durchdringenden Geruch, den viele Menschen mit Hopfen oder Cannabis vergleichen; verantwortlich dafür ist vermutlich ein Pyrazin, das auch in diesen Pflanzen vorkommt.

Daneben verständigen sich die Tiere über drei Lautäußerungen: ein tiefes, kehliges Bellen, das häufig nach Einbruch der Dämmerung zu hören ist, ein hochfrequentes Winseln sowie ein Knurren bei aggressiven Auseinandersetzungen. Taktile Kontakte wie gegenseitiges Fellpflegen spielen vor allem zwischen verpaarten Partnern eine Rolle.

Jagd und Ernährung

Auf der Jagd verlässt sich der Mähnenwolf vor allem auf sein Gehör: Er dreht seine großen Ohren, um Beutetiere im hohen Gras zu orten, klopft dann mit einer Vorderpfote auf den Boden, um sie aufzuscheuchen, und stürzt sich fuchsartig mit einem Sprung auf sie. Getötet wird die Beute durch einen Biss in Nacken oder Rücken, den er bei Bedarf mit kräftigem Schütteln verstärkt. Gejagt wird meist einzeln, zwischen Sonnenuntergang und Mitternacht.

Sein Beutespektrum ist breit und typisch omnivor: Gürteltiere, Kaninchen, Nagetiere und andere Kleinsäuger, Fische, Vögel und deren Eier, Reptilien, Schnecken und andere Landmollusken sowie Insekten stehen auf dem Speiseplan. Größeres Nutzvieh wird kaum erbeutet, gelegentlich aber neugeborene Lämmer oder Ferkel – und sehr zum Ärger von Geflügelhaltern immer wieder frei laufende Hühner.

Ebenso wichtig sind pflanzliche Nahrungsquellen: saisonal verfügbares Obst wie Bananen und Guaven sowie vor allem die tomatenähnliche Frucht von Solanum lycocarpum, die einen erheblichen Teil der Nahrung ausmachen kann. Diese Frucht könnte dem Mähnenwolf sogar gegen den Nierenparasiten Dioctophyme renale helfen. Zusätzlich frisst er Wurzeln und Knollen.

Fortpflanzung und Jungenaufzucht

Mähnenwölfe leben in monogamen Paarbindungen, verbringen den Alltag jedoch meist getrennt und finden nur zur Paarungszeit enger zusammen. Weibchen sind einmal im Jahr empfängnisbereit; die Paarungszeit richtet sich vermutlich nach der Tageslichtlänge und liegt in Gefangenschaft der Nordhalbkugel zwischen Oktober und Februar, in Südamerika eher zwischen August und Oktober. Die Empfängnisbereitschaft selbst dauert nur ein bis vier Tage, während die Paarung bis zu 15 Minuten in Anspruch nimmt.

Nach einer Tragzeit von etwa 60 bis 65 Tagen bringt das Weibchen in einem gut versteckten Wurfnest im dichten Gestrüpp zwischen einem und fünf, selten bis zu sieben Jungtiere zur Welt. Die Neugeborenen wiegen zwischen 340 und 430 Gramm und kommen mit schwarzem Fell zur Welt, das sich erst nach etwa zehn Wochen in die rötlich-bronzene Erwachsenenfärbung verwandelt.

Die Entwicklung verläuft zügig: Augen und Ohren öffnen sich bereits im Alter von neun Tagen, ab der vierten Woche nehmen die Jungen hochgewürgte Nahrung von den Eltern an, gesäugt werden sie bis zu vier Monate. Mit etwa 15 Wochen sind sie entwöhnt, mit einem Jahr erreichen sie die Körperproportionen und die Geschlechtsreife von Erwachsenen und verlassen dann ihr Geburtsrevier. In freier Wildbahn werden Elterntiere mit ihren Welpen nur selten beobachtet, die Jungensterblichkeit gilt als hoch.

Die Lebenserwartung liegt in Gefangenschaft bei durchschnittlich etwa 16,8 Jahren; ein Einzeltier im Zoo von São Paulo erreichte sogar ein Alter von 22 Jahren.

Schutz und Bedrohungen

Die IUCN stuft den Mähnenwolf als "Potenziell gefährdet" ein – trotz weiter Verbreitung und einer gewissen Anpassungsfähigkeit an vom Menschen geprägte Landschaften geht der Bestand durch menschliche Aktivitäten zurück. International wird die Art zusätzlich über den Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) reguliert.

Die größte Bedrohung ist der Verlust und die Zerstörung seines Graslandlebensraums, einschließlich der jährlichen, gezielten Abbrennung von Grasflächen. Hinzu kommen zunehmender Straßenverkehr mit Kollisionen, Verfolgung durch aufgebrachte Geflügelhalter, Bejagung zum Vergnügen sowie gelegentlicher Lebendfang. Durch schrumpfenden Lebensraum weichen die Tiere zudem verstärkt in städtische Randgebiete aus, was den Kontakt mit Haustieren und damit das Risiko von Infektions- und Parasitenkrankheiten erhöht.

In Brasilien, Argentinien und Uruguay ist die Bejagung des Mähnenwolfs inzwischen gesetzlich verboten, und einzelne brasilianische Bundesstaaten wie São Paulo und Minas Gerais führen ihn sogar als gefährdete Art, während er in Paraná, Santa Catarina und Rio Grande do Sul als stark bis vom Aussterben bedroht gilt.

Schutzstatus

  1. LC
  2. NT
  3. VU
  4. EN
  5. CR

Potenziell gefährdet

Kulturelle Bedeutung

Für Landwirte hat der Mähnenwolf einen praktischen Nutzen: Er frisst Kaninchen und kleine Nagetiere, die als Ernteschädlinge gelten, und trägt so indirekt zum Schutz landwirtschaftlicher Flächen bei.

In kulturhistorischen Betrachtungen taucht die Art gelegentlich auch als Bezugspunkt für symbolische und mythologische Deutungen auf, etwa in Diskussionen über ihre Bedeutung in älteren Kulturkreisen; solche Verbindungen sind jedoch eher vereinzelt belegt und weniger fest etabliert als bei anderen bekannten Wildtieren.

Wissenswertes

  1. Der Mähnenwolf wurde ursprünglich 1815 als Canis brachyurus beschrieben, später fälschlich als Vulpes cancosa geführt, bis er 1839 einer eigenen Gattung, Chrysocyon, zugeordnet wurde.
  2. Fossilien der Gattung aus dem Spätpleistozän und Holozän stammen ausschließlich aus der Region Lagoa Santa in Minas Gerais, Brasilien – ein Hinweis darauf, dass sich die Art dort entwickelt haben könnte.
  3. Wegen des durchdringenden, cannabisähnlichen Geruchs seiner Urinmarkierungen trägt der Mähnenwolf den Spitznamen "Stinkwolf".
  4. Melanistische, also komplett schwarze Mähnenwölfe sind extrem selten; das erste fotografische Zeugnis stammt aus einer Kamerafalle in Brasilien aus dem Jahr 2013.
  5. Anhand ihrer Fußabdrücke lassen sich Mähnenwölfe von Hunden unterscheiden, da ihre Ballen im Verhältnis zu den Zehenabdrücken deutlich kleiner ausfallen.

Ökologie

Lebensraum

  • Feuchtgebiet
  • Buschland
  • Grasland
  • Savanne

Verhalten

  • Nachtaktiv
  • Räuber
  • Einzelgänger
  • Territorial

Ernährung

  • Allesfresser

Fotos

20 Fotos
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Ein Mähnenwolf mit langen, dünnen schwarzen Beinen, rotbraunem Fell und großen aufrechten Ohren steht in hohem Gras.Foto: Pablo H Capovilla, CC BY

QuellenGBIFiNaturalistWikidataWikipediaAnimal Diversity WebAnAge