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Rotfuchs

Vulpes vulpes

Nicht gefährdet

Der Rotfuchs ist das am weitesten verbreitete Landraubtier der Welt und besiedelt fast den gesamten Norden der Erde – von der Arktis bis nach Nordafrika.

Als Mitglied der Familie Canidae zählt er zur Ordnung der Raubtiere (Carnivora). Die IUCN listet ihn als nicht gefährdet, doch in Regionen wie Australien, wo er im 19. Jahrhundert eingeführt wurde, gilt er als eine der schädlichsten invasiven Arten überhaupt. Diese doppelte Rolle – heimischer Bestandteil europäischer und asiatischer Ökosysteme einerseits, verheerender Neuling für australische Beuteltiere andererseits – macht den Rotfuchs zu einem der widersprüchlichsten Tiere der Welt.

Identifikation und Erscheinungsbild

Der auffälligste Erkennungsmerkmal des Rotfuchses ist sein buschiger, mehr als halb körperlanger Schwanz, der im Stehen bis zum Boden reicht und meist eine weiße Spitze trägt.

Adulte Tiere erreichen eine Schulterhöhe von 35 bis 50 Zentimetern und eine Körperlänge von 45 bis 90 Zentimetern, wobei der Schwanz zusätzlich 30 bis 55,5 Zentimeter misst. Das Gewicht variiert stark zwischen 2,2 und 14 Kilogramm, im Durchschnitt liegt es bei etwa 4,58 Kilogramm. Fähen wiegen typischerweise 15 bis 20 Prozent weniger als Rüden. Der Körper ist gestreckt, die Beine vergleichsweise kurz, und die Tiere sind erstaunlich sprungstark: Zäune von über 2 Metern Höhe stellen kein Hindernis dar.

Das Fell zeigt drei Grundfarbvarianten – rot, silber-schwarz und die sogenannte Kreuzform. Beim typischen roten Morph dominiert ein leuchtendes Rostrot mit gelblichen Tönen, entlang der Wirbelsäule verläuft ein schwacher dunklerer Streifen, der zusammen mit zwei Schulterstreifen ein Kreuzmuster bildet. Kinn, Kehle und Brust sind weiß, die Flanken heller als der Rücken. Die Pupillen sind oval und vertikal ausgerichtet, ein Merkmal, das ihn von hundeartigen Verwandten unterscheidet.

Vom Hund lässt sich der Rotfuchs am schmaleren Fang, den weniger dicht stehenden Prämolaren, den schlankeren Eckzähnen und dem konkaven statt konvexen Gesichtsprofil unterscheiden. Weibchen weisen im Schnitt kleinere Schädel auf als Männchen, jedoch mit breiteren Nasenregionen und größeren Eckzähnen.

Verbreitung und Lebensraum

Der Rotfuchs bewohnt ein außergewöhnlich breites Spektrum an Lebensräumen, von arktischen Tundren über Wälder, Steppen und Wüsten bis hin zu landwirtschaftlichen Flächen und Städten. Er kommt von Meereshöhe bis in 4.500 Meter Höhe vor.

Besonders bevorzugt werden Übergangszonen mit gemischter Vegetation – etwa Waldränder, durchsetzt mit Wiesen und Feldern. Dichte, geschlossene Wälder werden dagegen meist gemieden. In besiedelten Gebieten nutzt er Parks, Golfplätze, Friedhöfe und große Gärten als Lebensraum.

Ursprünglich in Europa, weiten Teilen Asiens, Nordafrikas und Nordamerikas heimisch, wurde der Rotfuchs im 19. Jahrhundert absichtlich nach Australien eingeführt, um dort die traditionelle englische Fuchsjagd zu ermöglichen. Dort hat er sich zu einem Spitzenprädator mit geschätzt über 7,2 Millionen Tieren entwickelt und trägt zum Rückgang mehrerer heimischer Beuteltierarten bei. Auf Tasmanien konnte sich trotz mehrfacher Einschleppung keine dauerhafte Population etablieren, vermutlich weil der Tasmanische Teufel als Konkurrent wirkt. In Neuseeland ist die Einfuhr des Rotfuchses gesetzlich verboten.

Beobachtungsdaten zeigen über das Jahr hinweg eine gewisse Schwankung mit einem Rückgang in den Herbstmonaten, doch solche Zahlen spiegeln lediglich die Häufigkeit von Sichtungen wider und keine tatsächliche Bestandsgröße.

Karte der dokumentierten Nachweise von Vulpes vulpes
Wo die Art nachgewiesen wurde · GBIF
157.621
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Monatliche Vorkommenszahlen · GBIF

Verhalten und Lebensweise

Rotfüchse leben überwiegend einzelgängerisch oder in kleinen Familienverbänden, niemals jedoch in wolfsartigen Rudeln. Ein Revier wird typischerweise von einem erwachsenen Rüden und ein bis zwei Fähen samt Nachwuchs besetzt, wobei benachbarte Reviere sich teils überlappen und teils verteidigt werden.

Als nachtaktive bis dämmerungsaktive Tiere erreichen sie im Sprint Geschwindigkeiten von bis zu 48 Kilometern pro Stunde und können Hindernisse von bis zu 2 Metern Höhe überspringen. Die Reviergröße schwankt stark mit der Habitatqualität: In günstigen Gebieten reichen 5 bis 12 Quadratkilometer, in ärmeren Lebensräumen werden 20 bis 50 Quadratkilometer benötigt. Jungfüchse verlassen im Herbst nach der Geburt ihr Elternrevier und wandern zwischen 10 und fast 400 Kilometer weit ab, um eigene Territorien zu gründen.

Ihre Erdbaue graben sie bevorzugt in gut durchlässigem Boden an Hanglagen, Uferböschungen oder in verlassenen Bauten anderer Tiere wie Dachse oder Murmeltiere. Ein Hauptbau kann einen Haupttunnel von bis zu 17 Metern Länge besitzen und wird oft über viele Generationen hinweg genutzt. Bei einem Ausbruch von Räudebefall verlassen die Tiere ihre Baue mitunter dauerhaft, vermutlich um eine weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern.

In Gebieten, wo Rotfuchs und Polarfuchs gemeinsam vorkommen, dominiert der Rotfuchs regelmäßig seinen arktischen Verwandten; beide Arten töten sich gegenseitig die Jungtiere, wenn sich die Gelegenheit bietet.

Kommunikation

Rotfüchse verständigen sich über ein breites Repertoire aus Lauten, Körpersprache und Duftmarken. Insgesamt wurden 28 verschiedene Lautäußerungen beschrieben, wobei sich einzelne Tiere an ihrer Stimme unterscheiden lassen. Die meisten Rufe lassen sich in „Kontaktrufe“, die je nach Entfernung zwischen den Tieren variieren, und „Interaktionsrufe“, die den Grad der Aggression ausdrücken, einteilen.

Der bekannteste Kontaktruf ist ein aus drei bis fünf Silben bestehendes Bellen, das wie „wau-wau-wau“ klingt und vor allem von Dezember bis Februar zu hören ist – oft so ähnlich wie die Reviergesänge des Waldkauzes. Welpen stoßen diesen Ruf bereits ab einem Alter von 19 Tagen aus, wenn sie Aufmerksamkeit einfordern. Nähern sich zwei Füchse einander an, geben sie dreisilbige, gluckernde Begrüßungslaute von sich, die an Hühner erinnern. Während der Paarungszeit ist zudem ein raues, ratschendes „Gekkern“ zu hören, meist von rivalisierenden Rüden oder Fähen, die Annäherungsversuche zurückweisen.

Neben der Stimme spielt die Körpersprache eine große Rolle: Ohrenstellung, Schwanzhaltung und Körperhaltung zeigen Neugier, Spielbereitschaft, Unterwerfung oder Angriffsbereitschaft an. Ein unterwürfiges Tier nähert sich mit gesenktem Körper und erhobener Schnauze, während ein angriffslustiger Fuchs mit erhobenem Schwanz und seitlich gedrehten Ohren direkt auf den Gegner zugeht. Ergänzt wird dies durch Duftmarkierungen über Urin, Kot und Drüsensekrete an Schwanzwurzel, Lippen, Kiefer und Pfotenballen.

Jagd und Ernährung

Der Rotfuchs jagt vor allem kleine Nagetiere mit einer sehr charakteristischen Technik: Er verharrt reglos, lauscht und beobachtet konzentriert, bis er eine Maus geortet hat, um dann in einem hohen Sprung mit den Vorderläufen kraftvoll auf die Beute niederzugehen und sie am Boden festzunageln.

Als Allesfresser frisst er neben Nagetieren auch Waldkaninchen, Insekten und andere wirbellose Tiere, außerdem Vögel und Reptilien. Aas wird ebenfalls nicht verschmäht, und pflanzliche Kost in Form von Früchten ergänzt den Speiseplan. Insgesamt nimmt ein Rotfuchs täglich zwischen 0,5 und 1 kg Nahrung zu sich.

Eine Besonderheit ist sein ausgeprägtes Vorratsverhalten: Überschüssige Nahrung wird versteckt und vergraben, wobei Rotfüchse ein bemerkenswertes Gedächtnis dafür haben, diese Verstecke später wiederzufinden.

Fortpflanzung und Jungenaufzucht

Die Paarungszeit variiert stark je nach geografischer Lage: Im Süden fällt sie in den Dezember und Januar, in mittleren Breiten in Januar und Februar, im Norden erst zwischen Februar und April. Fähen haben eine Östrusperiode von etwa drei Wochen, während der es zu mehrtägigen Paarungen kommt, oft in Erdbauten. Die Paarung selbst dauert 15 bis 20 Minuten und ist von lautem Rufen begleitet; dabei bildet sich durch die anschwellende Bulbus glandis des Rüden eine sogenannte Paarungsbindung, die über eine Stunde andauern kann.

Obwohl Rotfüchse meist monogam leben, kommen auch polygyne Beziehungen, Inzucht und Würfe mit gemischter Vaterschaft vor. Nach einer Tragzeit von etwa 49 bis 58 Tagen bringt die Fähe im Schnitt vier bis sechs, in Ausnahmefällen bis zu 13 Welpen zur Welt. Die Jungen wiegen bei der Geburt nur 56 bis 110 g, sind blind, taub und zahnlos und tragen ein dunkelbraunes Flaumfell.

In den ersten zwei bis drei Wochen bleibt die Mutter ständig bei den Welpen, da diese ihre Körpertemperatur noch nicht selbst regulieren können; in dieser Zeit versorgt der Rüde oder eine kinderlose Fähe die Mutter mit Nahrung. Nach etwa 13 bis 15 Tagen öffnen sich die Augen, die zunächst blau sind und sich erst nach vier bis fünf Wochen amberfarben verfärben. Ab drei bis vier Wochen verlassen die Welpen erstmals den Bau und probieren feste Nahrung, gesäugt werden sie sechs bis sieben Wochen lang.

Mit sechs bis sieben Monaten erreichen die Jungfüchse annähernd die Körperproportionen der Eltern, geschlechtsreif werden sie mit rund zehn Monaten. Die Familie bleibt meist bis zum Herbst nach der Geburt zusammen, manche Weibchen bleiben noch länger bei den Eltern. In freier Wildbahn erreichen Rotfüchse selten ein Alter über fünf Jahre, in menschlicher Obhut wurden dagegen bis zu 21,3 Jahre dokumentiert.

Bestand und ökologische Rolle

Rotfüchse regulieren als Beutegreifer die Bestände von Nagetieren und Kaninchen und tragen durch das Fressen von Früchten zur Verbreitung von Samen bei. Damit übernehmen sie eine wichtige Funktion im Nahrungsnetz vieler Ökosysteme.

Gleichzeitig gelten Rotfüchse in Europa als wichtigster Überträger der Tollwut. Sie können zudem von zahlreichen Parasiten und Krankheitserregern befallen sein, etwa der Räudemilbe Sarcoptes scabiei, die zu massivem Fellverlust führen und in fortgeschrittenen Fällen tödlich enden kann, sowie von bis zu 60 verschiedenen Wurmarten in Gefangenschaftshaltung und rund 20 in freier Wildbahn.

Schutz und Bedrohungen

Der Rotfuchs wird von der IUCN als nicht gefährdet eingestuft. Seine Bestände gelten als stabil, und die Art hat ihr Verbreitungsgebiet infolge menschengemachter Lebensraumveränderungen sogar ausgeweitet.

Drei Unterarten sind im Anhang III des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) gelistet, was den internationalen Handel mit ihnen kontrolliert. In den USA besitzt die Art keinen besonderen Schutzstatus.

Angesichts der stabilen und expandierenden Bestände besteht für den Rotfuchs derzeit kein akuter Handlungsbedarf im Artenschutz.

Nicht gefährdet

Kulturelle Bedeutung

Der Rotfuchs gilt in zahlreichen Kulturen als Verkörperung von Klugheit, List und Verschlagenheit. In der griechischen Mythologie tötete der riesige Teumessische Fuchs, ein Kind der Echidna, der Legende nach niemals gefangen werden konnte. In der keltischen Mythologie galt er als symbolträchtiges Tier, und im Cotswolds-Gebiet Englands glaubte man, Hexen könnten sich in Füchse verwandeln, um Butter von Nachbarn zu stehlen.

Besonders einflussreich wurde die Figur des Reineke Fuchs (Reynard) in der europäischen Literatur des Mittelalters, erstmals 1150 im Gedicht „Ysengrimus“ und später in Pierre Saint Clouds „Roman de Renart“ von 1175, wo er als Sinnbild für Betrug und Täuschung auftritt. In China erzählt man sich von Fuchsgeistern namens Huli Jing mit bis zu neun Schwänzen, in Korea als Kumiho, während in Japan die Kitsune als magische, mit dem Alter mächtiger werdende Fuchsgeister gelten, die sich in Menschen verwandeln können. In arabischer Folklore gilt der Fuchs als feige und listig, und schon in der Bibel wird das Wort „Fuchs“ auf falsche Propheten und Heuchler angewendet.

Seit der Antike ist der Rotfuchs zudem Ziel der Jagd: Bereits Alexander der Große soll Füchse gejagt haben, und die Römer jagten sie ab dem Jahr 80 n. Chr. Im mittelalterlichen England stieg der Fuchs vom bloßen Schädling zur angesehenen Jagdbeute des Adels auf, und ab dem 18. Jahrhundert entwickelte sich die Fuchsjagd in Großbritannien zu einem verbreiteten Sport der Oberschicht. Als Pelztier wird der Rotfuchs zudem in großer Zahl auf Farmen gehalten, mehr als jedes andere Wildtier, das für seinen Pelz gezüchtet wird.

Wissenswertes

  1. Rotfüchse verstecken überschüssige Nahrung in Vorratsverstecken und können sich diese Orte bemerkenswert gut merken, um später darauf zurückzugreifen.
  2. Ihre Augen wechseln in den ersten Lebenswochen die Farbe: Neugeborene haben blaue Augen, die sich erst nach vier bis fünf Wochen amberfarben verfärben.
  3. Während in freier Wildbahn nur wenige Rotfüchse älter als fünf Jahre werden, wurde in menschlicher Obhut ein Alter von 21,3 Jahren dokumentiert.
  4. In der Popkultur lebt das Bild des listigen Fuchses bis heute weiter, etwa in Gestalt des fuchsähnlichen Pokémon Vulpix.

Fotos

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Ökologie und Klassifikation

Verhalten

  • Nachtaktiv
  • Räuber
  • Einzelgänger
  • Territorial

Ernährung

  • Allesfresser

Klassifikation

Stamm
Chordata
Klasse
Mammalia
Ordnung
Carnivora
Familie
Canidae
Gattung
Vulpes
Art
Vulpes vulpes

Quellen

  1. GBIF Species names and classification
  2. iNaturalist Photos
  3. Wikidata Common names and conservation status
  4. Wikipedia Summary extract
  5. Encyclopedia of Life Habitat, diet and behavior traits
  6. Animal Diversity Web Animal habitat, behavior and diet
  7. AnAge Longevity