Der Maipilz erscheint so zuverlässig um den Georgstag am 23. April, dass er im Englischen nach diesem Feiertag benannt wurde – Calocybe gambosa zählt zu den wenigen Speisepilzen, deren Auftauchen fest mit dem Kalender verknüpft ist. Die Art gehört zur Familie der Lyophyllaceae und wurde früher der Gattung Tricholoma zugerechnet. Sie wächst auf Wiesen und Weiden in weiten Teilen Europas und gilt nach Einschätzung der IUCN als nicht gefährdet (Least Concern).
Was den Maipilz besonders macht, ist die Kombination aus früher Fruchtzeit, auffälligen Wuchsformen und einer langen kulinarischen Tradition, die von Italien bis ins Baskenland reicht.
Fruchtkörper und Bestimmung
Das zuverlässigste Erkennungsmerkmal des Maipilzes ist die Kombination aus cremeweißer Färbung, dichtem Fleisch und einem mehligen, an Gurke erinnernden Geruch. Der Hut misst 5 bis 15 Zentimeter im Durchmesser, ist glatt und trägt feine Rippen oder Falten auf der Oberfläche. Hut, Stiel und Fleisch reichen farblich von reinweiß bis cremefarben.
Die Lamellen stehen gedrängt, sind ausgebuchtet angewachsen und weiß gefärbt. Der Stiel wirkt gedrungen und ist an der Basis knollig verdickt. Das Fleisch ist fest und weich zugleich, der Sporenabdruck ist weiß.
Verbreitung und Lebensraum
Der Maipilz ist in Europa auf Grasland weit verbreitet, besonders in Gebieten mit kalkreichen Böden. Auf den schwedischen Ostseeinseln Öland und Gotland kommt er häufig vor, ebenso auf den South Downs in Südengland, wo er die bereits erwähnten großflächigen Feenringe bildet.
Die Fruchtzeit verschiebt sich je nach Klima: In Italien erscheint die Art bereits im März, was ihr dort den regionalen Namen Marzolino oder Prugnolo einbrachte. In Großbritannien fruchtet sie meist zwischen April und Juni, in wärmeren Ländern früher, in kühleren später.
Beobachtungsdaten aus dem GBIF-Netzwerk zeigen für den Jahresverlauf einen deutlichen Schwerpunkt: Die mit Abstand meisten Fundmeldungen stammen aus dem Mai, gefolgt von April und Juni, während in den übrigen Monaten kaum Beobachtungen vorliegen. Diese Zahlen spiegeln jedoch nur gemeldete Sichtungen wider, nicht die tatsächliche Häufigkeit oder das vollständige Verbreitungsgebiet der Art.

Nutzung und Kulturgeschichte
Der Maipilz wird am besten bei trockener Witterung gesammelt und lässt sich gekocht, eingelegt und offenbar auch roh verzehren. Kommerziell wird er in größeren Mengen aus Rumänien, Ungarn und der Türkei importiert, um die Nachfrage in Westeuropa zu decken.
Im mittelalterlichen Italien genoss die Art hohes Ansehen: Costanzo Felici beschrieb sie 1569 als den teuersten und angesehensten Pilz in Umbrien und den Marken. Auch Giovanni Targioni Tozzetti hielt sie 1777 in der Region der Apenninen – Ligurien, Toskana und Emilia-Romagna – für besonders wertvoll. In der Emilia-Romagna und der Toskana wird sie bis heute lokal gegessen.
Besonders geschätzt ist der Maipilz im spanischen Baskenland, wo er sehr hohe Preise erzielt. In Álava wird er traditionell am Fest des heiligen Prudentius am 28. April zusammen mit Schnecken verzehrt, und in Bilbao gehört er, meist in einer Tortilla zubereitet, zu den festen Bestandteilen der lokalen Küche. Die Nachfrage im Baskenland ist so groß, dass der Pilz auch dort aus Osteuropa importiert werden muss.
Wissenswertes
- Der Gattungsname Calocybe stammt aus dem Altgriechischen und setzt sich aus kalos („schön“) und kybos („Kopf“) zusammen – eine Anspielung auf den ansehnlichen Hut der Art.
- Das Artepitheton gambosa geht auf das lateinische gambosus („klumpfüßig“) zurück und bezieht sich auf den robusten, oft unregelmäßig geformten Stiel.
- Calocybe gambosa lebt mykorrhizal, gilt aber teils auch als saprophytisch, das heißt, sie kann sich zusätzlich von abgestorbenem organischem Material ernähren.
- In Italien ist der Pilz unter dem Namen Marzolino oder Prugnolo bekannt, abgeleitet vom Monat März, in dem er dort typischerweise erscheint.
- Als früher Frühlingspilz markiert der Maipilz in vielen ländlichen Regionen Europas traditionell den Beginn der warmen Jahreszeit und ist eng mit dem Brauch des sorgfältigen Sammelns verbunden.
Schutzstatus
- LC
- NT
- VU
- EN
- CR
Nicht gefährdet
Ökologie
Lebensraum
- Grasland



