Zum Inhalt springen
Zum Artikel springen

Maniok

Manihot esculenta

Maniok, botanisch Manihot esculenta, ist ein verholzender Strauch aus der Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae), der ursprünglich aus Brasilien, Paraguay und Teilen der Anden stammt. Obwohl die Pflanze mehrjährig ist, wird sie in den Tropen und Subtropen überwiegend wie eine einjährige Kultur angebaut, um ihre stärkehaltige Speicherwurzel zu ernten.

Damit ist Maniok weit mehr als nur eine Feldfrucht: Er verbindet Ernährung, Industrie und Tradition in vielen Regionen der Welt.

Identifikation und Erscheinungsbild

Das auffälligste Merkmal von Manihot esculenta sind die wechselständig angeordneten, handförmig gelappten Blätter mit drei bis sieben Lappen und der milchige Pflanzensaft, der beim Anschneiden austritt. Die Pflanze ist einhäusig, das heißt, männliche und weibliche Blüten stehen getrennt an denselben Blütenständen, die sich an der Sprossspitze bilden.

Landwirte bevorzugen unverzweigte, aufrecht wachsende Pflanzen, da sie leichter zu ernten, zu transportieren und zu lagern sind - allerdings blühen solche Formen seltener, was die Züchtung erschwert. Züchter setzen daher auf Photoperiodenverlängerung, Rückschnitt und Wachstumsregulatoren, um die Blüte zu fördern.

Die namensgebende Speicherwurzel ist lang und spitz zulaufend, mit einer rauen, braunen, leicht ablösbaren Rinde. Das Fruchtfleisch ist weiß bis gelblich, fest und gleichmäßig in der Textur. Handelsübliche Sorten erreichen am oberen Ende einen Durchmesser von 5 bis 10 Zentimetern und eine Länge von 15 bis 30 Zentimetern, mit einem holzigen Gefäßbündel in der Mitte.

Die Wurzeln bestehen größtenteils aus Stärke und enthalten nur geringe Mengen an Calcium (16 mg/100 g), Phosphor (27 mg/100 g) und Vitamin C (20,6 mg/100 g). Während die Wurzeln arm an Eiweiß sind, enthalten die Blätter deutlich mehr Protein, wobei ihnen die essenzielle Aminosäure Methionin weitgehend fehlt.

Verbreitung und Lebensraum

Maniok stammt ursprünglich aus Brasilien und wird heute in den gesamten Tropen weltweit kultiviert, darunter in den chinesischen Provinzen Fujian, Guangdong, Guangxi, Guizhou, Hainan, Taiwan und Yunnan. Die Pflanze ist somit kaum noch an ein einzelnes natürliches Verbreitungsgebiet gebunden, sondern folgt dem Anbau durch den Menschen.

Beobachtungsdaten zeigen über das Jahr verteilte Nachweise mit einem Anstieg im März und im November, was auf eine gewisse saisonale Präsenz hindeuten könnte - diese Zahlen spiegeln jedoch lediglich gemeldete Beobachtungen wider, nicht die tatsächliche Häufigkeit oder das vollständige Verbreitungsgebiet der Art.

Karte der dokumentierten Nachweise von Manihot esculenta
Wo die Art nachgewiesen wurde · GBIF
2.876
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Monatliche Vorkommenszahlen · GBIF

Nutzung und Bedeutung für den Menschen

Maniok wird vermehrt, indem Stängelabschnitte von etwa 15 Zentimetern Länge vor Beginn der Regenzeit gepflanzt werden. Die Pflanze gedeiht am besten bei Jahresdurchschnittstemperaturen zwischen 20 und 29 °C, verträgt aber Temperaturen von 12 bis 40 °C, und benötigt eine Wachstumsperiode von mindestens 240 Tagen sowie einen Jahresniederschlag zwischen 1.000 und 2.500 mm. Vor der Ernte werden die belaubten Stängel entfernt, dann wird die Pflanze an der Stängelbasis herausgezogen und die Wurzeln abgeschnitten.

Nach der Ernte verschlechtert sich die Qualität der Wurzeln rasch: Der Heilungsmechanismus der Pflanze erzeugt Cumarsäure, die oxidiert und die Wurzeln innerhalb weniger Tage schwarz und ungenießbar macht. Diese Verschlechterung hängt mit der Freisetzung reaktiver Sauerstoffspezies zusammen, die durch Cyanidfreisetzung bei der mechanischen Ernte ausgelöst wird. Um die Haltbarkeit zu verlängern, wurden Sorten gezüchtet, die etwa durch die Überexpression eines cyanidunempfindlichen alternativen Enzyms die Lagerfähigkeit um bis zu drei Wochen verlängern können.

Wirtschaftlich bedeutsam sind zudem Viruskrankheiten: Das Afrikanische Manihot-Mosaikvirus lässt die Blätter welken und begrenzt das Wurzelwachstum; ein Ausbruch in den 1920er-Jahren in Afrika führte zu einer schweren Hungersnot. Eine in den späten 1980er-Jahren in Uganda entstandene Mutation des Virus breitete sich mit etwa 80 Kilometern pro Jahr aus und war bis 2005 in Uganda, Ruanda, Burundi und den beiden Kongo-Staaten verbreitet. Auch das Cassava-Brown-Streak-Virus stellt weltweit eine erhebliche Bedrohung für den Anbau dar; Viren gelten als Hauptgrund dafür, dass die Erträge über 25 Jahre bis 2021 kaum gestiegen sind.

In den indigenen Kulturen Südamerikas ist Maniok tief mit Mythologie und Ritualen der Landwirtschaft verbunden. Die Tupi, die die Pflanze als Erste kultivierten, gaben ihr den Namen 'mani-oca'. Bei den Machiguenga im peruanischen Regenwald spielt Maniok eine zentrale Rolle in Erzählungen und mythologischen Überlieferungen.

Wissenswertes

  1. In Südamerika gilt Maniok nicht nur als wichtige Nahrungsquelle, sondern besitzt auch eine tiefe kulturelle Bedeutung für indigene Gemeinschaften.
  2. Es gibt Sorten von Maniok mit besonders niedrigem Gehalt an Blausäure, die ohne die sonst übliche Vorbehandlung zur Entgiftung verzehrt werden können.

Fotos

Fotos von by Nadine Gaffney via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., by Alex Day via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Siya ul haque via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Hilda Chan via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Matteo Bellucci via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by angryphyco via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Corey Farwell via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Raúl A. Ruiz M. via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Cody Hinchliff via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by abidanimallover via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Maria Janeiro via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Aparna via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Thomas Gyselinck via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Ong Jyh Seng via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by B. Phalan via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0. und by Manuel R Popp via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., mit Namensnennung bei jedem Bild.

Ökologie und Klassifikation

Wuchsform

  • Strauch

Klassifikation

Stamm
Tracheophyta
Klasse
Magnoliopsida
Ordnung
Malpighiales
Familie
Euphorbiaceae
Gattung
Manihot
Art
Manihot esculenta

Quellen

  1. GBIF Species names and classification
  2. iNaturalist Photos
  3. Wikidata Common names and conservation status
  4. Wikipedia Summary extract
  5. Encyclopedia of Life Habitat, diet and behavior traits