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Rothirsch

Cervus elaphus

LCNicht gefährdet
Ausgewachsener Rothirsch mit kräftigem, verzweigtem Geweih, der aufmerksam am Waldrand stehtFoto: via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., CC0

Messwerte

Gewicht
67–67 kg
Lebensdauer
≤ 31,5 Jahre
Klassifikation
Stamm
Chordata
Klasse
Mammalia
Ordnung
Artiodactyla
Familie
Cervidae
Gattung
Cervus
Art
Cervus elaphus

Nur eine Hirschart hat es geschafft, sich dauerhaft auf dem afrikanischen Kontinent zu halten: Im Atlasgebirge Marokkos, Tunesiens und Algeriens lebt eine wilde Population des Rothirschs (Cervus elaphus) – die einzige natürlich vorkommende Hirschpopulation Afrikas überhaupt.

Der Rothirsch gehört zur Familie der Hirsche (Cervidae) und zählt zu den größten Vertretern seiner Gattung. Sein Verbreitungsgebiet reicht von weiten Teilen Europas über den Kaukasus, Anatolien und Iran bis nach Westasien; zusätzlich wurde die Art in Australien, Neuseeland, den USA, Kanada sowie in Peru, Uruguay, Chile und Argentinien eingebürgert. Die IUCN stuft den weltweiten Bestand als „nicht gefährdet“ (Least Concern) ein.

Wer einem Rothirsch je im Herbst begegnet ist, erinnert sich meist zuerst an seine Stimme: Das tiefe Röhren balzender Hirsche zählt zu den eindrucksvollsten akustischen Naturphänomenen europäischer Wälder und macht die Art zu einem der bekanntesten Wildtiere des Kontinents.

Identifikation und Erscheinungsbild

Das auffälligste Merkmal ist das Geweih, das ausschließlich die männlichen Tiere (Hirsche) tragen. Es wächst im Frühjahr neu, wird jährlich Ende Winter abgeworfen und kann während der Wachstumsphase bis zu 2,5 cm pro Tag zulegen. Solange es wächst, ist es von stark durchbluteter „Bastschicht“ überzogen, die Sauerstoff und Nährstoffe liefert. Bei ausgewachsenen Hirschen bilden die vierte und fünfte Geweihsprosse eine charakteristische „Krone“, im Westen Europas oft ergänzt durch eine sogenannte Bez-Sprosse unterhalb der Augensprosse.

Beim Körperbau zeigt sich ein deutlicher Größenunterschied zwischen den Geschlechtern: Hirsche erreichen 175 bis 250 cm Kopf-Rumpf-Länge und wiegen 160 bis 240 kg, während Hinden mit 160 bis 210 cm Länge und 120 bis 170 kg deutlich kleiner bleiben. Der Schwanz misst zusätzlich 12 bis 19 cm, die Schulterhöhe liegt bei 95 bis 130 cm. In Schottland liegen die Durchschnittswerte bei etwa 201 cm Körperlänge und 122 cm Schulterhöhe für Hirsche sowie 180 cm und 114 cm für Hinden.

Zwischen den Unterarten schwankt die Größe erheblich: Der korsische Rothirsch, der nur auf Korsika und Sardinien vorkommt, bringt lediglich 80 bis 100 kg auf die Waage, während der Rothirsch der Karpaten bis zu 500 kg erreichen kann und der kaspische Rothirsch (Maral) in Kleinasien und im Kaukasus ebenfalls zu den größten Formen zählt.

Männliche Tiere vieler Unterarten bilden im Herbst zusätzlich eine kurze Nackenmähne aus, die bei Tieren der Britischen Inseln und Norwegens am dichtesten ausfällt; kaspische und spanische Hirsche besitzen dagegen keine solche Mähne. Hinden tragen niemals eine Mähne und sind insgesamt schlanker gebaut. Ein weiteres Merkmal der europäischen Unterarten ist der im Vergleich zu asiatischen und nordamerikanischen Verwandten auffällig lange Schwanz.

Verbreitung und Lebensraum

Der Rothirsch besiedelt ursprünglich Südwestasien, Anatolien, den Kaukasus, den Iran und Teile Westasiens sowie über das Atlasgebirge auch Nordafrika. In Europa reicht sein Verbreitungsgebiet von den Britischen Inseln bis nach Osteuropa; darüber hinaus wurde die Art in Australien, Neuseeland sowie in Nord- und Südamerika eingeführt. Als Lebensraum bevorzugt er offene Wälder und meidet dichte, geschlossene Waldbestände; besonders wichtig sind Übergangszonen zwischen Wald und offenen Flächen, die Deckung und Nahrung zugleich bieten. Die Art kommt vom Meeresniveau bis in Höhenlagen von etwa 3000 m vor.

Wasser spielt eine wichtige Rolle bei der Habitatwahl: Rothirsche halten sich bevorzugt in der Nähe von Fließgewässern und feuchten Senken auf, besonders während der Säugezeit und bei sommerlicher Hitze, wenn saftige, leicht verdauliche Pflanzen benötigt werden.

Regional zeigen sich deutliche Unterschiede in der Bestandsgeschichte. In Irland stellt der Rothirsch das größte wildlebende Landsäugetier der Insel und bildet dort eine eigenständige Unterart. In Großbritannien existieren ursprüngliche Populationen in Schottland, im Lake District und im Südwesten Englands, etwa auf Exmoor; in Schottland kam es dabei zu ausgedehnter Vermischung mit dem nah verwandten Sikahirsch. In der Levante war der Rothirsch bis ins 16. Jahrhundert heimisch. In Neuseeland begann die Einbürgerung 1851 mit einem von Lord Petre gesandten Paar; zwischen 1851 und 1926 folgten 220 einzelne Aussetzungen mit über 800 Tieren, sodass sich die Art heute über beide Hauptinseln verbreitet hat und dort intensiv bejagt wird.

Monatliche Beobachtungsdaten zeigen einen deutlichen Höhepunkt im September mit über 50.000 Meldungen, während die übrigen Monate zwischen rund 21.000 und 36.000 liegen. Dieser Ausschlag fällt mit dem Beginn der Brunft zusammen, wenn die Tiere lauter und sichtbarer werden – die Zahlen spiegeln jedoch lediglich die Beobachtungshäufigkeit wider, nicht die tatsächliche Bestandsgröße oder das vollständige Verbreitungsgebiet.

Karte der dokumentierten Nachweise von Cervus elaphus
Wo die Art nachgewiesen wurde · GBIF
50.627
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Monatliche Vorkommenszahlen · GBIF

Verhalten und Lebensweise

Rothirsche leben den größten Teil des Jahres in nach Geschlechtern getrennten Gruppen. Während der Sommermonate können sich diese zu größeren, von einer Leitkuh angeführten Herden zusammenschließen, bevor im Herbst die Brunft die Geschlechter wieder in Kontakt bringt. Viele Populationen wandern saisonal zwischen höher gelegenen Sommer- und tiefer gelegenen Wintereinständen.

Mit Beginn der Brunft im Spätsommer und Frühherbst bilden reife Hirsche Harems und verteidigen diese mit ihrer Körpergröße und ausgeprägter Aggressivität. Rivalisierende Hirsche fordern sich zunächst durch lautes Röhren und paralleles Nebeneinandergehen heraus, wodurch sie Geweihgröße, Körperbau und Kampfstärke des Gegners einschätzen können. Weicht keiner der beiden zurück, kommt es zum Geweihkampf, der ernsthafte Verletzungen nach sich ziehen kann. Dominante Hirsche uriniere auf sich selbst und begleiten ihre Hindengruppen bis in den frühen Winter; die erfolgreichsten Tiere halten Harems von bis zu 20 Hinden, wobei die höchste Fortpflanzungserfolgsquote bei etwa acht Jahren liegt. Harem haltende Hirsche fressen kaum noch und können bis zu 20 % ihres Körpergewichts verlieren.

Nach der Brunft werfen die Hirsche ihr Geweih ab und schließen sich zu Junggesellengruppen zusammen, in denen einzelne Tiere abwechselnd Wache halten, während die übrigen fressen und ruhen. Hinden bilden nach der Brunft Herden von bis zu 50 Tieren; Kälber werden über ständige Lautäußerungen eng an die Mutter gebunden. Bei Bedrohung können die kräftigsten Hinden mit den Vorderbeinen nach Angreifern treten.

Aktiv sind Rothirsche vor allem in der Dämmerung, mit Nahrungsaufnahme am frühen Morgen und späten Abend; tagsüber und mitten in der Nacht ruhen sie meist und wiederkäuen.

Kommunikation

Zur Kommunikation nutzt der Rothirsch vor allem seine Stimme: Der tiefe Bellruf der Hirsche, oft als Röhren bezeichnet, hält während der Brunft den eigenen Harem zusammen und wird sowohl zur Anlockung der Hinden als auch zur Auseinandersetzung mit rivalisierenden Männchen eingesetzt. Hinden orientieren sich dabei zunächst an jenen Hirschen, die am häufigsten und am lautesten röhren; das Röhren ist am frühen Morgen und späten Abend am intensivsten zu hören.

Neben dem Röhren verfügt die Art über ein breites Lautrepertoire: Neugeborene Kälber blöken und quieken, Hinden bellen, grunzen und quieken ebenfalls, wodurch in größeren Hinden-Kälber-Gruppen ein anhaltendes akustisches „Geplauder“ entsteht.

Daneben spielen visuelle Signale wie Geweihpräsentation und paralleles Herausfordern, körperlicher Kontakt bei Rangordnungskämpfen sowie chemische Signale eine Rolle – etwa wenn dominante Hirsche sich während der Brunft selbst mit Urin markieren. Insgesamt verfügen Rothirsche über ausgeprägten Geruchs-, Hör- und Sehsinn, die sie für all diese Kommunikationsformen nutzen.

Ernährung und Nahrung

Der Rothirsch ist ein Pflanzenfresser, dessen Speiseplan sich mit den Jahreszeiten deutlich verändert. Im Sommer äst er vor allem Gräser, Seggen und krautige Pflanzen, während er im Winter auf verholzte Nahrung wie Wacholder, Wintergrün, Hemlocktanne, Sumach, Kiefernnadeln, Ahorn und Basswood ausweicht.

Besonders gern gefressen werden Löwenzahn, Astern, Habichtskraut, Veilchen und Klee; gelegentlich nimmt der Rothirsch auch Pilze auf.

Als Wiederkäuer nimmt er sein Futter in zwei Verdauungsschritten auf: Nach dem ersten Fressen wird die Nahrung wieder hochgewürgt und erneut durchgekaut, bevor sie endgültig verdaut wird – ein Prozess, der wie bei Kamelen, Ziegen und Rindern mit einer geraden Zehenzahl an den Hufen einhergeht.

Fortpflanzung und Jungenaufzucht

Die Brunft beginnt Ende September oder Anfang Oktober, wenn die Hirsche den Bast ihres Geweihs abgestreift haben und um den Zugang zu den Hinden konkurrieren. Das Paarungssystem ist polygyn: Dominante Hirsche verteidigen eine Art „bewegliches Revier“ um ihren Harem, den sie durch Röhren, Statusdemonstrationen und notfalls Geweihkämpfe gegen Rivalen behaupten. Ein typischer Harem besteht aus einem Hirsch und etwa sechs Hinden samt deren einjährigen Kälbern, wobei erfolgreiche Hirsche zeitweise bis zu 20 Hinden führen können.

Die Geschlechtsreife tritt bei beiden Geschlechtern mit etwa 16 Monaten ein, wobei junge Hirsche meist erst mit einigen Jahren tatsächlich zum Zug kommen, da sie sich gegen reifere Rivalen durchsetzen müssen; Hinden setzen häufiger erst mit etwa zwei Jahren ihre erste Trächtigkeit an. Nach einer Tragzeit von 240 bis 262 Tagen (rund acht bis achtundeinhalb Monate) kommt in der Regel ein einzelnes Kalb zur Welt, Zwillinge sind selten.

Das Kalb wiegt bei der Geburt etwa 15 bis 16 kg und trägt ein geflecktes Fell, das es bis zum Ende des Sommers wieder verliert. In den ersten Wochen halten sich Hinde und Kalb versteckt und getrennt von der übrigen Herde; nach etwa 14 bis 16 Tagen schließt sich das Kalb der Herde an, und innerhalb von rund zwei Monaten ist es vollständig entwöhnt. Die Aufzucht übernimmt allein die Mutter, während Hirsche keinen Beitrag zur Jungenpflege leisten.

Die Kälber bleiben fast ein ganzes Jahr bei der Mutter, bis sie um die Zeit der nächsten Geburt abgesetzt werden. In freier Wildbahn erreichen Rothirsche meist 10 bis 13 Jahre, manche Unterarten mit geringerem Prädationsdruck bis zu 15 Jahre; in Gefangenschaft wurden Tiere über 20 Jahre alt, mit einer maximal dokumentierten Lebensspanne von rund 31,5 Jahren.

Bestand und ökologische Rolle

Als Pflanzenfresser prägt der Rothirsch durch seinen Verbiss die Vegetation seines Lebensraums maßgeblich mit und ist zugleich eine wichtige Beutequelle für große Raubtiere wie Braunbären und Wölfe.

Mehrere regionale Bestände zeigen deutliche Zuwächse: In den Niederlanden lebt im Naturschutzgebiet Oostvaardersplassen eine Herde von rund 3.000 Tieren, gezählt Ende 2012. In Frankreich hat sich der Bestand seit 1970 mehr als verfünffacht, von rund 30.000 auf etwa 160.000 Tiere im Jahr 2014, wobei die Art zunehmend auch höher gelegene Waldgebiete besiedelt. Zählungen des britischen Deer Society aus den Jahren 2007 und 2011 belegen zudem eine fortgesetzte Ausbreitung in England und Wales seit dem Jahr 2000, besonders auffällig in den Midlands und in East Anglia.

Schutz und Bedrohungen

Die IUCN listet den Rothirsch weltweit als „nicht gefährdet“ (Least Concern), was auf einen insgesamt stabilen bis wachsenden Gesamtbestand hinweist. Historisch sah die Lage jedoch anders aus: Übermäßige Jagd und Lebensraumveränderungen führten im 19. Jahrhundert in weiten Teilen des Verbreitungsgebiets zu drastischen Rückgängen. Die östliche nordamerikanische Unterart Cervus elaphus canadensis ist inzwischen vollständig ausgestorben; die Art verschwand aus dem Bundesstaat New York bis 1847, aus Pennsylvania bis 1867, aus Ohio bis 1838 und aus Indiana bis 1830.

Neben dem historischen Jagddruck zählen natürliche Fressfeinde wie Wölfe und gelegentlich Braunbären zu den Faktoren, mit denen einzelne Populationen umgehen müssen, ohne dass diese Prädation den Gesamtbestand gefährdet.

Seit dem 20. Jahrhundert haben Schutzmaßnahmen privater Initiativen und staatlicher Naturschutzbehörden zu deutlichen Bestandserholungen geführt. Heute unterliegt die Bejagung in vielen Regionen einer legalen, geregelten Jagdpraxis, und in Teilen Nordamerikas wird die Art auch zur Fleischgewinnung gezüchtet.

Schutzstatus

  1. LC
  2. NT
  3. VU
  4. EN
  5. CR

Nicht gefährdet

Kulturelle Bedeutung

In der europäischen Folklore gilt der Rothirsch als der Hirsch schlechthin: Wenn ältere Texte von „dem Hirsch“ sprechen, ist meist diese Art gemeint, nicht der kleinere Rehbock. In der irischen Mythologie erscheinen Rothirsche häufig als mystische Wesen, die Stärke und Vornehmheit symbolisieren, und galten allgemein als Sinnbild für den ungezähmten Geist des Waldes. In der mittelalterlichen Jagd war der ausgewachsene Hirsch, im Englischen „Hart“ genannt, das prestigeträchtigste Jagdwild überhaupt.

Die Bedeutung der Art für den Menschen reicht weit in die Vorgeschichte zurück: Rothirsche sind in europäischer Höhlenkunst dargestellt, die teilweise bis in die Zeit vor 40.000 Jahren im Jungpaläolithikum zurückreicht. Auch auf piktischen Steinen aus dem frühen Mittelalter Schottlands (etwa 550 bis 850 n. Chr.) erscheint der Rothirsch regelmäßig, meist als Beutetier von Mensch oder Raubtier.

Wirtschaftlich wurde der Rothirsch von frühen Siedlern und Ureinwohnern wegen seines Fleisches, Fells, seiner Zähne und Geweihe geschätzt; heute liefert er zusätzlich Wert durch Ökotourismus, Jagd sowie Fleisch- und Nebenprodukte wie Wildbret.

Wissenswertes

  1. Der Rothirsch ist eines der Säugetiere, bei denen homosexuelles Verhalten dokumentiert wurde.
  2. In Irland gilt er als das größte wildlebende Landsäugetier der Insel.
  3. Europäische Höhlenmalereien zeigen Rothirsche bereits vor rund 40.000 Jahren, und noch im frühen Mittelalter wurden sie auf schottischen Pikten-Steinen als Jagdbeute dargestellt.
  4. Bei der Einbürgerung in Neuseeland wurden zwischen 1851 und 1926 in 220 einzelnen Aktionen über 800 Tiere ausgesetzt; zwischen 1931 und 1975 wurden im Rahmen staatlicher Kontrollmaßnahmen anschließend über 1,1 Millionen Tiere erlegt.
  5. Das Geweih eines Hirsches kann während der Wachstumsphase im Frühjahr bis zu 2,5 cm pro Tag zulegen.

Ökologie

Lebensraum

  • Wald
  • Waldgebiet
  • Gebirge
  • Grasland

Verhalten

  • Territorial
  • Sozial
  • Zugvogel
  • Dämmerungsaktiv

Ernährung

  • Pflanzenfresser

Fotos

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Ausgewachsener Rothirsch mit kräftigem, verzweigtem Geweih, der aufmerksam am Waldrand stehtFoto: via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., CC0

QuellenGBIFiNaturalistWikidataWikipediaEncyclopedia of LifeAnimal Diversity WebAnAge