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Taubenschwänzchen

Macroglossum stellatarum

Das Taubenschwänzchen sieht aus wie ein Kolibri, ist aber ein Nachtfalter aus der Familie der Schwärmer. Beim Blütenbesuch schwebt es in der Luft und saugt mit seinem langen Rüssel Nektar aus röhrenförmigen Blüten, ganz wie ein Kolibri.

Die Art lebt in den gemäßigten Regionen Eurasiens. Ihren Namen trägt sie wegen dieser Ähnlichkeit mit den Kolibris. Die Ähnlichkeit ist ein Beispiel für konvergente Evolution, also dafür, dass nicht verwandte Tiere durch ähnliche Lebensweisen ähnlich aussehen.

Gerade weil der Schmetterling so ungewöhnlich wirkt, lohnt sich ein genauer Blick auf seine Lebensweise, seine Wanderungen und seine Rolle im Leben des Menschen.

Identifikation und Erscheinungsbild

Das Taubenschwänzchen gehört zu den Schwärmern (Sphingidae). Verwechslungen gibt es vor allem mit Glasflüglern der Gattung Hemaris, die in Nordamerika als Kolibri-Schwärmer bezeichnet werden. Ähnlich wie das Taubenschwänzchen fliegen auch sie an Blüten mit röhrenförmigen Kronen.

Im Flug zeigt sich die Art vor allem über ihr schwirrendes Schweben vor den Blüten. Beim Blütenbesuch ist der lange Saugrüssel das auffälligste Merkmal.

Verbreitung und Lebensraum

Das Taubenschwänzchen kommt im nördlichen Teil der Alten Welt vor, von Portugal bis nach Japan. Seine Hauptverbreitung liegt jedoch in wärmeren Gebieten, also in Südeuropa, Nordafrika und weiter östlich. In Spanien entstehen im Jahr drei Generationen.

In Großbritannien und Irland breitet sich die Population offenbar aus, und ihre Zahlen nehmen seit Längerem stetig zu. Vermutlich bleibt ein Teil der Tiere dort inzwischen ganzjährig, anstatt zu wandern, weil wärmere Winter das Überwintern ermöglichen.

Die Art fliegt kräftig und verteilt sich im Sommer weit. Nördlich der Alpen in Europa oder nördlich des Kaukasus in Russland überlebt sie jedoch selten den Winter. Im Sommer ist sie häufig: Die Beobachtungen aus Datenbanken gipfeln im Juli, wobei es sich nur um Nachweise der Anwesenheit handelt.

In Gärten, Parks, auf Wiesen, an Gebüschen und am Waldrand findet man den Falter dort, wo seine Nahrungspflanzen wachsen, etwa Geißblatt, Rote Spornblume und viele andere. Die Raupen fressen meist Labkräuter oder Krappe (Rubia), seltener auch andere Rötegewächse sowie Spornblume, Sternmiere und Weidenröschen.

Karte der dokumentierten Nachweise von Macroglossum stellatarum
Wo die Art nachgewiesen wurde · GBIF
94.356
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Monatliche Vorkommenszahlen · GBIF

Verhalten und Lebensweise

Das Taubenschwänzchen fliegt tagsüber, besonders bei hellem Sonnenschein. Es ist aber auch in der Dämmerung, im Morgengrauen und sogar bei Regen aktiv, was für tagaktive Schwärmer ungewöhnlich ist.

Sein Schwebeflug erlaubt viel Beweglichkeit und genaue Steuerung, auch wenn er viel Energie kostet. Den Körper hält der Falter dabei mithilfe der Johnston-Organe ausgerichtet, die bei vielen großen Insekten Lagesinn vermitteln.

Der lange Saugrüssel misst 25 bis 28 Millimeter. Mit ihm erreicht das Taubenschwänzchen den Nektar in langen, schmalen Blütenkronen, in die andere Insekten nicht hineinreichen. So meidet es die Konkurrenz. Blüten mit längeren Röhren bieten meist mehr Nektar, und vermutlich hat dies die Länge des Rüssels mitgeprägt.

Es fliegt festen Routen, die man als Trapliniensystem bezeichnet: Die Tiere kehren täglich ungefähr zur selben Zeit zu denselben Blütenbeeten zurück.

Kulturelle Bedeutung

Das Taubenschwänzchen gilt in manchen Kulturen als Glücksbringer. Besonders bekannt wurde ein Schwarm der Falter, der am D-Day, dem Tag der Landung in der Normandie im Zweiten Weltkrieg, über den Ärmelkanal flog.

Der Name der Familie Sphingidae geht auf die Raupen zurück, die man früher mit der ägyptischen Sphinx verglich. Diese Deutung betrifft auch andere Schwärmer.

Auch in der Musik hat der Falter Spuren hinterlassen: Die US-Band They Might Be Giants widmete ihm das Lied „Bee of the Bird of the Moth“.

Wissenswertes

  1. In vielen europäischen Ländern hielten Menschen den schwebenden Falter in Gärten für kleine Kolibris, und dieses Missverständnis lebt im Namen fort.
  2. Eine Studie aus dem Jahr 1994 untersuchte, wie der Falter im Schwebeflug den Abstand zu Attrappen-Blüten reguliert.

Fotos

Fotos von via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., by Cajá-manga via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by barba_stella via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Susan Murphy via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by selahelle via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Felix Früchtl via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Cenaida via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Анна via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Mason via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0. und by Samuel Lüthi via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., mit Namensnennung bei jedem Bild.

Ökologie und Klassifikation

Ernährung

  • Nektarfresser

Verhalten

  • Tagaktiv
  • Zugvogel
  • Dämmerungsaktiv

Klassifikation

Stamm
Arthropoda
Klasse
Insecta
Ordnung
Lepidoptera
Familie
Sphingidae
Gattung
Macroglossum
Art
Macroglossum stellatarum

Quellen

  1. GBIF Species names and classification
  2. iNaturalist Photos
  3. Wikidata Common names and conservation status
  4. Wikipedia Summary extract