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Trauermantel

Nymphalis antiopa

Nicht gefährdet

Der Trauermantel gehört zu den ersten Schmetterlingen, die im Frühling fliegen – oft noch bevor der Schnee vollständig geschmolzen ist. Das gelingt ihm, weil er als ausgewachsener Falter überwintert, statt als Ei, Raupe oder Puppe.

Der Trauermantel, auch als Nymphalis antiopa bekannt, zählt zur Familie der Edelfalter (Nymphalidae) und kommt in weiten Teilen Eurasiens und Nordamerikas vor. Die Art gilt nach IUCN als nicht gefährdet. Bemerkenswert ist sein kräftiger Flug, der ihn gelegentlich weit über sein übliches Verbreitungsgebiet hinausträgt.

Identifikation und Erscheinungsbild

Das auffälligste Merkmal des Trauermantels ist seine einzigartige Flügelzeichnung, die mit keiner anderen Art verwechselt werden kann. Die Oberseite der Flügel ist dunkel kastanienbraun bis maronenfarben, manchmal auch braun, mit einem zerfetzt wirkenden, hellgelben Rand. Zwischen der dunklen Grundfarbe und dem gelben Rand verläuft eine Reihe leuchtend blauer, irisierender Flecken auf schwarzem Grund.

Die Flügelspannweite kann bis zu zehn Zentimeter erreichen. Die Flügelunterseite zeigt graue Streifen, ebenfalls mit dem charakteristischen hellgelben Rand. Zwischen den Geschlechtern gibt es keine auffälligen Unterschiede.

Die Raupe ist auffällig gezeichnet: ein schwarzer, dornenbesetzter Körper mit einer Reihe von acht rotorangen Punkten auf dem Rücken – eine Warnfärbung. Die Beine sind rostrot, der Körper trägt kurze Haare, schwarze Dornen und weiße Punkte. Ausgewachsen erreicht die Raupe etwa fünf Zentimeter Länge.

Die Puppe ist meist tan- bis graubraun gefärbt, etwa zwei bis knapp drei Zentimeter lang, mit zwei Reihen scharfer, rot gespitzter Dornen an der Unterseite sowie einem schnabelartigen Fortsatz und zwei Kopfhörnern. Die frisch gelegten Eier sind bernsteingelb bis blassolivgrün und verfärben sich vor dem Schlüpfen über lila-rosa bis fast schwarz.

Verbreitung und Lebensraum

Der Trauermantel ist auf der gesamten Nordhalbkugel weit verbreitet und kommt in nahezu ganz Nordamerika sowie im nördlichen Eurasien vor. In Nordamerika werden drei Unterarten unterschieden, die nördliche Nymphalis antiopa hyperborea, die östliche N. a. lintnerii und die südwestliche N. a. thomsoni. Die Art erreicht sogar den nördlichen Teil Südamerikas, ist aber in südlichen US-Bundesstaaten wie Florida, Louisiana oder Texas seltener anzutreffen.

Bevorzugte Lebensräume sind Laubwälder, dabei nutzt der Trauermantel aber praktisch jeden Habitattyp: Wasserläufe, sonnige Lichtungen, Waldränder, Parks, Gärten, offene Wälder und Gehölze. Während der Winterruhe zieht er sich unter Dachvorsprünge, in Keller, Spalten und Mulden zurück.

In Großbritannien erscheinen fast jedes Jahr Zuwanderer im Sommer und Herbst, jedoch meist nur in geringer Zahl. Es gibt keine Hinweise darauf, dass sich die Art dort fortpflanzt; milde, feuchte Winter verhindern offenbar ein dauerhaftes Überleben. Der Falterzüchter L. Hugh Newman vermutete, dass Camberwell-Beauty-Funde in England auffällig um Hafenstädte wie London, Hull und Harwich konzentriert waren, die im Holzhandel mit Skandinavien standen – die Tiere könnten in Holzstapeln überwintert und so nach England verschifft worden sein.

Karte der dokumentierten Nachweise von Nymphalis antiopa
Wo die Art nachgewiesen wurde · GBIF
49.546
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Monatliche Vorkommenszahlen · GBIF

Verhalten und Lebensweise

Der Trauermantel fliegt das ganze Jahr über, am häufigsten im Frühling, im späten Sommer und im frühen Herbst, während er den Winter in Ruhe verbringt. Er gehört oft zu den ersten Faltern, die im Frühjahr unterwegs sind, mitunter noch bevor der Schnee geschmolzen ist. Im Sommer hält er sich eher in höheren Lagen auf, etwa in den Kronen von Bäumen, und verfällt dann in eine Sommerruhe, bis er im Herbst wieder aktiv wird, um seine Fettreserven aufzufüllen.

Männchen zeigen deutliches Territorialverhalten und verteidigen Flächen von durchschnittlich mehr als 300 Quadratmetern. Sie vertreiben andere Falter und sogar Vögel, indem sie drohend auf sie zufliegen, und wechseln dabei zwischen verschiedenen Ansitzwarten, um das gesamte Gebiet zu verteidigen.

Zur Tarnung ruht der Trauermantel auf dunkler Baumrinde, wo er kaum auffällt, sucht aber auch gezielt sonnige Plätze auf Blättern oder Stämmen auf. Die dunkle Flügelfarbe in Kombination mit der Sonnenexposition hilft, möglichst viel Wärme aufzunehmen – wichtig für Tiere in kühleren, bergigen Lebensräumen. Die Art ist nicht wandernd im eigentlichen Sinn, doch einzelne Tiere legen große Strecken zurück; ein Versuch in Deutschland dokumentierte eine Einzelwanderung von Bonn bis nach Griechenland.

Ernährung und Nahrung

Die Raupen des Trauermantels fressen in Gruppen an den Blättern verschiedener Laubbäume, vor allem an Weiden und Birken, daneben auch an Ulme, Zürgelbaum, Pappel, Rose und Maulbeere. Unter den erfassten Nahrungspflanzen stechen Salweide (Salix caprea), Hängebirke (Betula pendula) und Zitterpappel (Populus tremula) hervor, ergänzt durch weitere Weiden- und Erlenarten.

Der erwachsene Falter ernährt sich dagegen vor allem von Baumsaft: Er setzt sich oberhalb einer austretenden Saftstelle an und saugt die Flüssigkeit mit nach unten gerichtetem Kopf auf. Faulendes Obst ist eine weitere wichtige Nahrungsquelle.

Nur selten besucht der Trauermantel Blüten; im Sommer kann er gelegentlich Nektar von Skabiosen und Flockenblumen aufnehmen. Diese Blütenbesuche bleiben jedoch die Ausnahme gegenüber seiner Hauptnahrung aus Baumsaft und verrottendem Obst.

Fortpflanzung und Lebenszyklus

Der Trauermantel durchläuft eine vollständige Metamorphose mit vier Stadien: Ei, Raupe, Puppe und Falter. Die Weibchen legen ihre Eier in ringförmigen Gelegen um Zweige, zunächst an Triebspitzen und später, wenn Blätter erscheinen, auch auf deren Oberseite. Die Raupe durchläuft fünf Stadien, getrennt durch vier Häutungen, und lebt dabei in Gruppen.

Männchen sind polygyn und paaren sich im Laufe einer Saison mit mehreren Weibchen. Dabei nutzen sie entweder feste Ansitzplätze, um Weibchen anzulocken, oder durchstreifen aktiv das Gebiet auf der Suche nach ihnen. Begehrte Reviere liegen an sonnigen Stellen nahe Schluchten, Waldrändern, Parks, Gärten, Seen, Teichen, Bachufern oder Canyons und können mehr als 300 Quadratmeter umfassen; solche Plätze werden über mehrere Tage verteidigt, da sie die Paarungschancen erhöhen.

Die Paarungszeit beginnt im Frühling, wenn die Weibchen Wirtspflanzen aufsuchen und mit der Eiablage beginnen. Erwachsene Falter erscheinen erstmals im späten Frühjahr bis frühen Sommer, verfallen dann über den Sommer in eine Ruhephase (Ästivation) verbunden mit einer Entwicklungsdiapause, bevor ein Teil der Population zwischen September und Oktober wandert. Danach folgt die Überwinterung, und der Zyklus beginnt im folgenden Frühjahr zwischen April und Juni erneut. Als Bestäuber spielt der Trauermantel kaum eine Rolle, da er sich vorwiegend von Baumsaft statt von Blütennektar ernährt.

Bestand und ökologische Rolle

Die Population des Trauermantels gilt als stabil, ohne ausgeprägte Schwankungen in der Individuenzahl. Innerhalb des Ökosystems ist die Art sowohl Nahrungsquelle als auch Teil eines vielschichtigen Räuber-Beute-Geflechts: Eier werden von Käfern, Wanzen, Ameisen, Käferlarven, Wespen, Raubwanzen und Milben gefressen, während ausgewachsene Falter unter anderem Fangschrecken, Raubwanzen, Libellen sowie Vögeln, Reptilien, Amphibien und Säugetieren zum Opfer fallen. Unter den erfassten Fressfeinden stechen Vögel wie Star, Birkenzeisig, Sumpf- und Teichrohrsänger, Schwanzmeise, Feldlerche und Wiesen- und Bergpieper hervor, daneben auch Fledermäuse wie das Braune Langohr und die Große Hufeisennase.

Als Schutz gegen diese Feinde setzt der Trauermantel auf mehrere Strategien: Die gefalteten Flügel tarnen ihn vor dunkler Rinde, gemeinsames drohendes Anfliegen von Angreifern schreckt Vögel und andere Falter ab, und bei Gefahr stellt sich der Falter tot, indem er Flügel und Beine eng anlegt und für einige Minuten still verharrt. Beim Auffliegen vor Fressfeinden erzeugt er zudem laute Klickgeräusche. Frisch geschlüpfte Raupen können sich gegenüber noch nicht geschlüpften Eiern kannibalisch verhalten, und die gruppenweise Entwicklung der Larven verringert das Risiko des Einzelnen, Beute zu werden.

Schutz und Bedrohungen

Der Trauermantel gilt nach der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet, ebenso besteht kein besonderer Schutzstatus nach US-Bundesrecht, CITES oder in Michigan. In Österreich und der Schweiz ist die Art jedoch gesetzlich geschützt. In Finnland zeigt die Bestandsdichte einen zunehmenden Trend, und in Tschechien gilt die Art als „sicher“.

Interessanterweise profitiert der Trauermantel von Feuerschneisen, da diese offene Flächen und Lichtungen schaffen, die der Art als Lebensraum besonders zusagen.

Nicht gefährdet

Kulturelle Bedeutung

Der wissenschaftliche Name Nymphalis antiopa leitet sich von Antiope aus der griechischen Mythologie ab. Der Trauermantel gilt als Symbol für den Frühlingsbeginn, da er durch sein frühes Erwachen aus der Winterruhe für Erneuerung und Wandel steht.

Als Camberwell Beauty ist die Art in Großbritannien Namensgeberin für zahlreiche kulturelle Werke: Sie tritt in der Kurzgeschichte „A Plague of Butterflies“ von Fred M. White auf, einer Buddleia-Zuchtform aus der East Malling Research Station, einem großen Mosaik an der Passmore Edwards Library in Burgess Park nahe Camberwell sowie als früheres Emblem der Papierfirma Samuel Jones. Außerdem inspirierte sie Romane von Louis Golding, V. S. Pritchett und Jenny Eclair, eine Kurzgeschichte von August Derleth sowie einen Kurzfilm und ein Musikstück.

Als Bestäuber spielt der Trauermantel nur eine geringe, aber vorhandene Rolle, da er überwiegend keine Blüten besucht.

Wissenswertes

  1. Der Artname antiopa geht auf Antiope zurück, eine Gestalt aus der griechischen Mythologie.
  2. In älteren Quellen trug der Trauermantel Namen wie „grand surprise“ oder „white petticoat“.
  3. Die Raupe wird manchmal als „spiny elm caterpillar“ bezeichnet.
  4. Als Camberwell Beauty war der Falter Namensgeber für ein Musikalbum, Romane, Kurzgeschichten und einen Kurzfilm in Großbritannien.

Fotos

Fotos von via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., by Lauren Markewicz via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Seth Wollney via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Steve Addison via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Patrick Comins via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by allan5519 via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Bernie Paquette via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Wiljam Eklund via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0. und by Jacek Kurzawa via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., mit Namensnennung bei jedem Bild.

Ökologie und Klassifikation

Verhalten

  • Einzelgänger
  • Winterschlaf haltend
  • Territorial
  • Tagaktiv

Ernährung

  • Allesfresser

Klassifikation

Stamm
Arthropoda
Klasse
Insecta
Ordnung
Lepidoptera
Familie
Nymphalidae
Gattung
Nymphalis
Art
Nymphalis antiopa

Quellen

  1. GBIF Species names and classification
  2. iNaturalist Photos
  3. Wikidata Common names and conservation status
  4. Wikipedia Summary extract
  5. Animal Diversity Web Animal habitat, behavior and diet
  6. GloBI What it eats, what eats it, parasites and pollinators
  7. trophiCH