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Wald-Erdbeere

Fragaria vesca

Niedrige, krautige Pflanze mit dreigeteilten, gezähnten Blättern, weißen fünfblättrigen Blüten und kleinen, roten Erdbeeren an einem feinhaarigen StängelFoto: via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., CC0

Auf einen Blick

Bekannt für
WaldWaldgebietGebirgeGraslandKraut
Klassifikation
Stamm
Tracheophyta
Klasse
Magnoliopsida
Ordnung
Rosales
Familie
Rosaceae
Gattung
Fragaria
Art
Fragaria vesca

Die Früchte der Wald-Erdbeere bleiben im Schnitt nur 1,2 Tage frisch – vermutlich die kürzeste Haltbarkeit aller fleischigen Früchte Europas. Gleichzeitig steckt jede einzelne Frucht mit durchschnittlich 46,8 Samen voll, ebenfalls ein Spitzenwert unter den europäischen Fruchtpflanzen.

Die Wald-Erdbeere, botanisch Fragaria vesca, ist eine mehrjährige, krautige Pflanze aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Sie wächst von Natur aus in weiten Teilen der Nordhalbkozel, von Nordamerika über Europa bis nach Ostasien.

Menschen sammeln ihre kleinen, aromatischen Früchte seit der Steinzeit, und bis heute bleibt die Pflanze wegen ihres intensiven Geschmacks bei Gärtnern und Feinschmeckern beliebt.

Identifikation und Erscheinungsbild

Das auffälligste Merkmal der Wald-Erdbeere sind ihre dreiteiligen, hellgrünen Blätter mit gezähntem Rand, aus denen ein weichhaariger, grüner Blütenstängel von 3 bis 15 Zentimetern Länge aufsteigt und die Blüten meist über das Laub hinaushebt.

An diesem Stängel sitzen fünf bis elf weiche, weiße Blüten. Die reifen Früchte enthalten im Mittel 46,8 Samen – ein für europäische Fruchtpflanzen sehr hoher Wert – und bestehen zu rund 84 Prozent aus Wasser. Ihr Trockengewicht setzt sich aus etwa 21 Prozent Kohlenhydraten und 5,5 Prozent Fett zusammen, ein für heimische Fleischfrüchte vergleichsweise hoher Fettanteil.

Die Pflanze breitet sich vor allem über oberirdische Ausläufer, sogenannte Stolonen, aus, bildet aber auch keimfähige Samen, aus denen neue Bestände entstehen können.

Eine sichere Unterscheidung von der weit verbreiteten Kultur-Erdbeere gelingt am ehesten über die deutlich kleineren Früchte und die dreizähligen, matten Blätter der Wald-Erdbeere.

Verbreitung und Lebensraum

Die Wald-Erdbeere kommt natürlich in weiten Teilen der nördlichen Hemisphäre vor, von Nordamerika über Europa bis nach China, wo sie unter anderem in den Provinzen Gansu, Guizhou, Jilin, Shaanxi, Sichuan, Xinjiang und Yunnan in Wäldern, an Berghängen und auf Wiesen wächst.

Sie besiedelt ein breites Spektrum an Lebensräumen: lichte Wälder und Waldränder, Waldlichtungen, Wegränder, Böschungen, Kies- und Steinwege, Wiesen und junge, sich neu entwickelnde Wälder. In Nordamerika reicht ihr Vorkommen von tiefen Lagen bis in subalpine Höhenstufen von über 3.000 Metern in den Rocky Mountains, wobei sie mäßig feuchte bis wechselfeuchte Standorte bevorzugt und extreme Nässe oder Trockenheit meidet.

Monatliche Beobachtungsdaten zeigen eine deutliche Häufung von Mai bis Juli, mit einem Höchststand im Juni; im Winter werden dagegen nur wenige Nachweise gemeldet. Solche Zahlen spiegeln allerdings nur die Häufigkeit von Beobachtungsmeldungen wider, nicht die tatsächliche Bestandsgröße oder das vollständige Verbreitungsgebiet der Art.

Karte der dokumentierten Nachweise von Fragaria vesca
Wo die Art nachgewiesen wurde · GBIF
129.104
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Monatliche Vorkommenszahlen · GBIF

Ökologie und Wechselbeziehungen

Die Wald-Erdbeere gedeiht an lichten bis halbschattigen Standorten; im südlichen Teil ihres Verbreitungsgebiets ist sie meist auf schattige Plätze beschränkt, während sie weiter im Norden auch sonnige Standorte toleriert. Häufig findet man Pflanzen, die zwar wachsen, aber wegen Lichtmangels keine Früchte ausbilden. Milde Feuer überstehen die Pflanzen meist, und nach Bränden können sich neue Bestände etablieren, auch aus Samen, die im Boden ruhen und erst bei Bodenstörung keimen.

Ihre Blätter sind eine wichtige Nahrungsquelle für pflanzenfressende Huftiere wie Maultierhirsch und Wapiti. Die Früchte dienen zahlreichen Säugetieren und Vögeln als Nahrung, die dabei die Samen über ihren Kot verbreiten und so zur Ausbreitung der Art beitragen.

Als Raupenfutterpflanze dient die Wald-Erdbeere außerdem dem Zweibindigen Karierten Würfelfalter, dessen Larven auf ihr leben.

Nutzung und Bedeutung für den Menschen

Menschen nutzen die Wald-Erdbeere seit der Steinzeit, wie archäologische Funde belegen. Bis heute wird die stark aromatische Frucht für den Eigenbedarf und in kleinem Maßstab kommerziell gesammelt und angebaut – als Delikatesse für Feinschmecker sowie als Zutat für Marmelade, Saucen, Liköre, Kosmetika und volksmedizinische Anwendungen. In der Türkei werden jährlich mehrere hundert Tonnen der wilden Früchte geerntet, vor allem für den Export.

Aus der Art gezüchtete Sorten, meist als Monats-Erdbeeren oder Alpine Erdbeeren bezeichnet, blühen über einen sehr langen Zeitraum, tragen größere Früchte als die wilde Form und werden meist über Samen oder Teilung vermehrt. Manche Sorten bilden Ausläufer und dienen als Bodendecker, andere ohne Ausläufer werden als Beeteinfassung oder Zierpflanze verwendet; Kreuzungen mit der Garten-Erdbeere brachten zudem den Hybriden Fragaria × vescana hervor.

In der Forschung wird der Inhaltsstoff Ellagsäure wegen seiner erbgutschützenden Wirkung in Zellkulturen diskutiert, doch es gibt keine schlüssigen klinischen Belege dafür, dass die Pflanze beim Menschen Krebs verhindern oder heilen kann.

Wissenswertes

  1. Der Gattungsname Fragaria ist das lateinische Wort für Erdbeere, während die Artbezeichnung vesca aus dem Lateinischen stammt und „klein“ oder „dünn“ bedeutet.
  2. Seit dem frühen 17. Jahrhundert wurde die Wald-Erdbeere im Anbau weitgehend von der heute üblichen Garten-Erdbeere verdrängt.
  3. Indigene Völker der Pazifikküste Nordamerikas nutzten die wilde Erdbeere traditionell als Nahrungspflanze.
  4. In der Forschung wird diskutiert, ob einheitliche chemische Fingerabdrücke mittels HPLC nötig sind, um Extrakte aus Fragaria vesca für Studien und therapeutische Zwecke vergleichbar zu machen.

Ökologie

Lebensraum

  • Wald
  • Waldgebiet
  • Gebirge
  • Grasland

Wuchsform

  • Kraut

Fotos

20 Fotos
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Niedrige, krautige Pflanze mit dreigeteilten, gezähnten Blättern, weißen fünfblättrigen Blüten und kleinen, roten Erdbeeren an einem feinhaarigen StängelFoto: via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., CC0

QuellenGBIFiNaturalistWikidataWikipediaEncyclopedia of Life