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Gemeiner Delfin

Delphinus delphis

LCNicht gefährdet
Ein ausgewachsener Gemeiner Delfin schwimmt im offenen Meer, mit dunklem Rücken, weißem Bauch und dem charakteristischen sanduhrförmigen Muster an der Flanke.Foto: via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., CC0

Messwerte

Gewicht
80–80 kg
Lebensdauer
≤ 25 Jahre
Klassifikation
Stamm
Chordata
Klasse
Mammalia
Ordnung
Cetacea
Familie
Delphinidae
Gattung
Delphinus
Art
Delphinus delphis

Mit weltweit schätzungsweise sechs Millionen Tieren ist Delphinus delphis der häufigste Wal überhaupt - kein anderer Cetacea kommt in vergleichbarer Zahl in den Ozeanen vor.

Der Gemeine Delfin gehört zur Familie Delphinidae innerhalb der Ordnung Cetacea und ist die einzige Art der Gattung Delphinus, der namensgebenden Gattung der Unterfamilie Delphininae. Damit ist er eng verwandt mit dem Großen Tümmler, dem Buckeldelfin, dem Streifendelfin, dem Langschnabel-Delfin, dem Clymene-Delfin, dem Fleckendelfin, Frasers Delfin, dem Tucuxi und dem Guyana-Delfin. Die IUCN listet die Art als „nicht gefährdet" (Least Concern).

Trotz seiner enormen Verbreitung bleibt der Gemeine Delfin ein aufschlussreiches Beispiel für komplexes Sozialverhalten im Meer - von akrobatischen Sprüngen bis zu jahrtausendealten Mythen rund um seine Beziehung zu Poseidon und Apollo.

Identifikation und Erscheinungsbild

Das auffälligste Merkmal des Gemeinen Delfins ist das sanduhrförmige Muster an seinen Flanken: Vorn erscheint es hell in Grau-, Gelb- oder Goldtönen, hinten geht es in ein schmutziges Grau über - eine Zeichnung, die bei kaum einer anderen Delfinart in dieser Form vorkommt.

Erwachsene Tiere erreichen eine Körperlänge von 1,9 bis 2,5 Metern und wiegen zwischen 80 und 235 Kilogramm, wobei die meisten Individuen im Bereich von 80 bis 150 Kilogramm liegen. Männchen sind im Durchschnitt länger und schwerer als Weibchen.

Der Rücken ist dunkel gefärbt, der Bauch weiß - eine klassische Gegenschattierung (Countershading), die den Körper im Wasser tarnt. Der Kopf trägt einen langen, schmalen Rostrum (Schnabel), in dem pro Kieferhälfte 50 bis 60 kleine, scharfe und ineinandergreifende Zähne sitzen.

Verbreitung und Lebensraum

Der Gemeine Delfin besiedelt sowohl küstennahe als auch ozeanische Gewässer, ohne dass sich die Populationen dabei deutlich unterscheiden. In Küstenregionen hält er sich bevorzugt in den äußeren, tieferen Bereichen auf - aus den inneren Teilen von Golfen liegen keine Nachweise vor.

Die Art bevorzugt Wasser mit Oberflächentemperaturen über 10 °C und wird seltener in Gewässern flacher als 180 Meter beobachtet. Üblicherweise schwimmen die Tiere mit 5 bis 7 Meilen pro Stunde, können bei der Jagd aber bis zu 29 Meilen pro Stunde erreichen und innerhalb von 48 Stunden 150 bis 200 Meilen zurücklegen. Schulen orientieren sich dabei an markanten Strukturen des Meeresbodens, und ihre Wanderungen folgen den jahreszeitlichen Verschiebungen der Fischbestände, von denen sie sich ernähren.

GBIF-Beobachtungsdaten zeigen ein deutliches saisonales Muster mit den meisten Meldungen im Juli und August (über 14.000 bzw. 15.000 pro Monat) und den wenigsten im Dezember (rund 4.700). Da es sich dabei um reine Anwesenheitsmeldungen handelt, lässt sich daraus keine Aussage über die tatsächliche Bestandsgröße ableiten - die Häufung dürfte eher erhöhte Sichtungsaktivität in den wärmeren Monaten widerspiegeln.

Karte der dokumentierten Nachweise von Delphinus delphis
Wo die Art nachgewiesen wurde · GBIF
15.238
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Monatliche Vorkommenszahlen · GBIF

Verhalten und Lebensweise

Der Gemeine Delfin ist ausgesprochen sozial und wird kaum je allein angetroffen. Gruppengrößen schwanken enorm - Berichte reichen von 50 bis 60 Tieren bis zu Schulen mit mehreren Tausend oder sogar bis zu 100.000 Individuen, die gemeinsam schwimmen, fressen und sogar synchron atmen.

In höheren Breiten schließen sich Weibchen mit ihrem Nachwuchs zu Beginn der ersten Herbststürme zu großen Verbänden zusammen, um den Winter gemeinsam zu überstehen - Sicherheit und Nahrungssuche gelingen in der Gruppe leichter. Männchen halten sich in dieser Zeit getrennt, bleiben aber in der Nähe, bis im Frühjahr wieder wärmere Bedingungen einkehren. Trächtige und säugende Weibchen bilden zusätzlich eigene Kinderstuben-Gruppen.

Spielerisches Verhalten prägt den Alltag: Die Tiere vollführen Saltos und Flips, springen mit dem ganzen Körper aus dem Wasser und rangeln unter- und miteinander. Besonders beliebt ist das Bugwellenreiten - Delfine begleiten Schiffe oder nutzen die Druckwellen großer Wale und bleiben dabei mitunter mehrere Stunden in Spiellaune.

Innerhalb der Gruppe übernehmen erwachsene Tiere eine erzieherische Rolle: Jungtiere werden zurechtgewiesen, wenn sie sich ungeschickt verhalten, und Mütter teilen sich die Aufsicht über besonders aktiven Nachwuchs. Kranke Artgenossen werden von anderen Delfinen mit den Flossen an der Oberfläche gehalten, damit sie atmen können. Natürliche Feinde sind vor allem Haie und Orcas.

Kommunikation

Zur Verständigung nutzt der Gemeine Delfin im Wesentlichen zwei unterschiedliche „Stimmen": eine für Navigation und Ortung, eine zweite für die soziale Kommunikation innerhalb der Gruppe. Beide äußern sich in pfeifartigen, gepulsten Lauten, deren Lautstärke, Tempo und Tonhöhe jeweils unterschiedliche Botschaften vermitteln.

Da Sicht unter Wasser - besonders in dunklen oder trüben Bereichen - stark eingeschränkt ist, ist Gehör der wichtigste Sinn der Art. Ergänzend spielen taktile Signale, etwa Körperkontakt beim Schwimmen und Spielen, sowie chemische Reize eine Rolle bei der Wahrnehmung der Umgebung und der Artgenossen.

Jagd und Ernährung

Gemeine Delfine jagen im Verbund: Ganze Gruppen fressen zur gleichen Zeit, sei es tagsüber oder nachts, und schließen sich dabei manchmal mit Großen Tümmlern oder Weißseitendelfinen zusammen. Solche Jagdzüge können bis zu einer Stunde dauern, wobei jedes Tier ins Zentrum der verfolgten Fischschule vorstößt und versucht, möglichst viele Fische zu erbeuten, die es im Ganzen verschluckt.

Eine besondere Taktik besteht darin, unter eine Fischschule zu tauchen und sie von unten an die Oberfläche zu treiben. Die Beute wird dabei vollständig aus dem Wasser gedrückt und von den Delfinen mitten im Sprung gefangen.

Auf dem Speiseplan stehen vor allem kleine Fische wie junger Hering, Sardelle, Sardine, nächtlich aktiver Seehecht sowie kleine Bonitos und Makrelenhechte, ergänzt durch Tintenfische und Kraken.

Ein einzelnes Tier frisst täglich etwa 8 bis 9 Kilogramm Fisch.

Fortpflanzung und Jungenaufzucht

Die Balz findet im Frühjahr und im Herbst statt: Männchen und Weibchen streicheln sich gegenseitig mit den Flossen, reiben ihre Körper aneinander und schwimmen nebeneinander her. Typisch ist, dass das Männchen auf das Weibchen zustürmt, als wolle es mit ihm zusammenstoßen, sich dann aber wieder zurückzieht, während das Weibchen seinerseits vor den Annäherungsversuchen ausweicht.

Nach diesem verspielten Vorspiel paaren sich die Tiere Bauch an Bauch; das Männchen führt dabei eine kurze Serie von Beckenstößen aus, wobei auch Weibchen aktiv mitstoßen können. Zusätzlich wurde eine Fortpflanzungsvariante beobachtet, bei der Schnabel und Genitalbereich zum Antrieb genutzt werden.

Die Tragzeit beträgt 10 bis 12 Monate, bei der kurzschnäuzigen Form eher 10 bis 11 Monate. Das Kalb kommt mit dem Schwanz zuerst zur Welt und ist je nach Population etwa 70 bis 100 Zentimeter lang und wiegt rund 10 bis 16 Kilogramm; in der Regel wird ein einzelnes Jungtier geboren, gelegentlich auch Zwillinge oder Drillinge.

Da Kälber unter Wasser nicht saugen können, presst die Mutter die Milch durch Muskelkontraktion direkt ins Maul des Jungtiers, das danach zum Atmen an die Oberfläche muss. Die Milch enthält sechsmal mehr Eiweiß als menschliche Muttermilch, wodurch das Kalb zwei- bis dreimal so schnell an Gewicht zunimmt wie ein menschliches Baby. Je nach Population wird der Nachwuchs zwischen fünf und sechs Monaten (Schwarzes Meer) oder erst nach rund 19 Monaten entwöhnt, wobei der Abstand zwischen zwei Geburten von einem Jahr im Schwarzen Meer bis zu drei Jahren im östlichen Pazifik reicht. Die Geschlechtsreife wird meist zwischen 12 und 15 Jahren erreicht, kann bei Weibchen je nach Region aber schon mit 2 Jahren und bei Männchen erst mit 12 Jahren eintreten; die Lebenserwartung liegt bei etwa 25 Jahren.

Schutz und Bedrohungen

Die IUCN führt den Gemeinen Delfin als „nicht gefährdet" (Least Concern), da er als die wohl häufigste Walart der Erde gilt. Regionale Schätzungen summieren sich auf weit über sechs Millionen Tiere: allein im Pazifik werden rund 1,43 Millionen vor Japan, 969.000 vor der US-Westküste und 2,96 Millionen im östlichen tropischen Pazifik vermutet. Im Atlantik kommen etwa 70.000 Tiere im westlichen Atlantik, 467.000 in europäischen Gewässern, über 19.400 im Mittelmeer und mehrere Zehntausend im Schwarzen Meer hinzu; im Indopazifik werden 20.000 bis 22.000 Tiere vor Südaustralien und 15.000 bis 20.000 vor dem südlichen Afrika geschätzt.

Die größte Bedrohung ist der Beifang in der Fischerei: Allein im Nordatlantik sterben jährlich rund 1.000 kurzschnäuzige Gemeine Delfine in Thunfisch-Treibnetzen, Schleppnetzen und Kiemennetzen. In der spanischen Region Galicien wurden zwischen 2001 und 2002 jährlich durchschnittlich 394 Tiere als Beifang von Schleppnetzfischern erfasst, überwiegend nachts und in Wassertiefen unter 300 Metern; betroffen waren vor allem Männchen mit einem Durchschnittsalter von 13 Jahren, wahrscheinlich weil sich in dieser Region saisonal viele reine Männchengruppen aufhalten. Im westlichen Nordatlantik verdoppelt die Treibnetzfischerei auf Schwertfisch die Beifangzahlen von Männchen gegenüber Weibchen. Hinzu kommen die direkte Bejagung vor der Küste Perus als Nahrungsmittel und Haiköder, Belastungen durch Schwermetalle sowie ein bis heute nicht vollständig erklärter, drastischer Rückgang der Bestände im westlichen Mittelmeer seit den 1960er-Jahren.

In den USA steht die Art unter gesetzlichem Schutz, und mehrere Länder haben Regelungen zum Schutz von Delfinen erlassen. Modellrechnungen für Galicien zeigen, dass ein Schleppnetzverbot in Gewässern flacher als 250 Meter zusammen mit saisonalen Fangverboten rund 78 Prozent der bisherigen Beifänge verhindern könnte.

Schutzstatus

  1. LC
  2. NT
  3. VU
  4. EN
  5. CR

Nicht gefährdet

Kulturelle Bedeutung

In der griechischen Mythologie galten Delfine als heilige Begleiter und Boten Poseidons, des Meeresgottes - sie wurden oft an der Seite seines Wagens dargestellt oder als Beschützer von Schiffen in stürmischer See. Der Legende nach rettete ein Delfin den Dichter Arion, nachdem Piraten ihn über Bord geworfen hatten.

Delfine standen zugleich für Schutz, Führung und Glück und wurden neben Poseidon auch mit Apollo in Verbindung gebracht. Der Legende nach verwandelte sich Apollo in einen Delfin, um das Orakel von Delphi zu gründen - der Stadtname leitet sich vom griechischen Wort „delphis" für Delfin ab. Poseidon soll zudem einen Delfin, den Meeresdämon Delphin, als Sternbild Delphinus verewigt haben, nachdem dieser ihm half, die Nymphe Amphitrite von einer Heirat zu überzeugen.

Auch im heutigen Umgang mit Menschen gilt der Gemeine Delfin als freundlich und hilfsbereit: Es gibt Berichte über Delfine, die Menschen gerettet haben, und die Tiere unterhalten Seeleute, indem sie an Schiffsseiten entlang spielen. Fischer nutzen die Anwesenheit von Delfinschulen mitunter, um Fischschwärme zu lokalisieren. In manchen Kulturen, etwa auf den polynesischen Gilbertinseln, werden Delfine hingegen als Nahrungsmittel verzehrt.

Wissenswertes

  1. Im schmalen Kiefer sitzen pro Kieferhälfte 50 bis 60 winzige, scharfe Zähne - insgesamt kommt ein Gemeiner Delfin damit auf bis zu 240 Zähne.
  2. Obwohl die Art in freier Wildbahn äußerst gesellig ist, gelten Gemeine Delfine in Gefangenschaft als ungewöhnlich scheu und lassen sich nur schwer trainieren.
  3. Wenn eine gesamte Schule gemeinsam auftaucht, können theoretisch alle Tiere gleichzeitig in der Luft sein - ein Ausdruck ihres eng synchronisierten Schwimm- und Atemverhaltens.
  4. Das Sternbild Delphinus am Nachthimmel erinnert der Legende nach an einen Delfin, den Poseidon aus Dankbarkeit dafür unter die Sterne setzte, dass er ihm half, die Nymphe Amphitrite für die Ehe zu gewinnen.

Ökologie

Lebensraum

  • Meeresbewohner
  • Küstenbewohner

Verhalten

  • Räuber
  • Aquatisch
  • Sozial

Ernährung

  • Fischfresser

Fotos

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Ein ausgewachsener Gemeiner Delfin schwimmt im offenen Meer, mit dunklem Rücken, weißem Bauch und dem charakteristischen sanduhrförmigen Muster an der Flanke.Foto: via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., CC0

QuellenGBIFiNaturalistWikidataWikipediaEncyclopedia of LifeAnimal Diversity WebAnAge