Der Pottwal ist der größte Zahnwal und zugleich das größte fleischfressende Tier der Erde. Er ist der einzige lebende Vertreter der Gattung Physeter und einer von drei heute existierenden Arten der Überfamilie der Pottwale, zu der auch der Zwergpottwal und der Kleine Pottwal der Gattung Kogia gehören.
Die Art lebt in allen Weltmeeren, von den Polen bis zum Äquator, bevorzugt aber eisfreie, tiefe Gewässer. Die IUCN listet den Pottwal als „gefährdet“ (Vulnerable). Wer sich mit dieser Art beschäftigt, begegnet einem Tier voller Extreme: gewaltige Tauchtiefen, komplexe Sozialstrukturen und ein Kopf, der ein Viertel bis ein Drittel der gesamten Körperlänge ausmacht.
Identifikation und Erscheinungsbild
Das auffälligste Merkmal des Pottwals ist sein riesiger, blockförmiger Kopf, der ein Viertel bis ein Drittel der Körperlänge einnehmen kann. Diese unverwechselbare Form macht eine Verwechslung mit anderen Walarten praktisch unmöglich. Das S-förmige Blasloch sitzt weit vorn am Kopf und ist nach links verschoben, wodurch die charakteristische, buschige und schräg nach vorn gerichtete Blaswolke entsteht.
Pottwale gehören zu den Cetaceen mit dem stärksten Geschlechtsdimorphismus. Neugeborene sind bei beiden Geschlechtern etwa 3,5 bis 4,5 Meter lang, doch ausgewachsene Männchen werden 30 bis 50 Prozent länger und etwa dreimal so schwer wie Weibchen. Weibchen werden bei 8 bis 9 Metern geschlechtsreif und erreichen als ausgewachsene Tiere meist nicht mehr als 12 Meter Länge, mit einem Gewicht von etwa 17 bis 24 Tonnen bei den größten bekannten Exemplaren. Männchen werden erst bei 11 bis 12 Metern geschlechtsreif und können als ausgewachsene Bullen 15 bis 16 Meter, größere Tiere sogar 18 bis 19 Meter erreichen; ein 18 Meter langes Männchen wiegt schätzungsweise 57 Tonnen.
Historische Berichte nennen noch größere Tiere, etwa ein 20,7 Meter langes Exemplar, das 1950 von einer sowjetischen Walfangflotte bei den Kurilen erfasst wurde und auf rund 80 Tonnen geschätzt wird. Solche Ausmaße sind jedoch selten: 95 Prozent aller erfassten Pottwale sind kürzer als 15,85 Meter. Die Durchschnittsgröße der Art ist im Lauf der Zeit vermutlich durch den Walfang zurückgegangen.
Die Fluke ist dreieckig, sehr dick und im Verhältnis zur Körpergröße größer als bei jedem anderen Wal. Beim Abtauchen zur Nahrungssuche hebt der Pottwal sie hoch aus dem Wasser – ein typisches Bild vor dem Beginn einer tiefen Tauchgangsphase.
Verbreitung und Lebensraum
Der Pottwal zählt zu den am weitesten verbreiteten Meeressäugern überhaupt und kommt von den Polargebieten bis zum Äquator in fast allen Ozeanen vor. Er bevorzugt eisfreie Gewässer mit mehr als 1.000 Metern Tiefe, wobei Weibchen und Jungtiere eher in tropischen und gemäßigten Breiten bleiben, während nur ausgewachsene Männchen auch hohe Breitengrade aufsuchen.
Die Art besiedelt das Mittelmeer, fehlt jedoch im Schwarzen Meer, dessen flacher Zugang und sauerstoffarme Tiefenschichten mit hohen Schwefelverbindungskonzentrationen dies vermutlich verhindern. Im Roten Meer ist ihr Vorkommen unsicher. Erst 2017 wurde die Art erstmals vor der Küste Pakistans nachgewiesen, 2005 zum ersten Mal im Gelben Meer.
Dichtere Populationen finden sich in der Nähe von Kontinentalschelfen und Meeresschluchten, etwa vor den Azoren und Dominica, wo der Schelf schnell auf 310 bis 920 Meter Tiefe abfällt. Auch in ostasiatischen Gewässern, etwa um die Kommandeur- und Kurileninseln, die Shiretoko-Halbinsel oder die Izu-Inseln, sind küstennahe Beobachtungen regelmäßig. Genetische Untersuchungen legen nahe, dass die heutige Weltpopulation vor rund 100.000 Jahren aus einer pazifischen Gründerpopulation von etwa 10.000 Tieren hervorging, als sich ausdehnende Eiskappen den Zugang zu anderen Meeren blockierten.
Monatliche Beobachtungsdaten zeigen einen deutlichen Anstieg in den Sommermonaten, was auf eine stärkere saisonale Präsenz in dieser Zeit hindeuten könnte, wobei solche Zahlen nur Sichtungen und keine Bestandsgrößen widerspiegeln.

Verhalten und Lebensweise
Pottwale leben in einer Sozialstruktur, die an Elefanten erinnert: Weibchen und ihr Nachwuchs bilden matriarchale Gruppen, sogenannte Schoten, während erwachsene Bullen meist allein oder in losen Junggesellengruppen mit gleichaltrigen Männchen unterwegs sind. Eine soziale Einheit umfasst meist sechs bis neun, mitunter über zwanzig Tiere, die über Jahre zusammenbleiben; ein Wechsel zwischen Gruppen ist selten. Interessanterweise zeigen die Tiere innerhalb einer Einheit keine besondere Bindung an genetische Verwandte.
Weibchen und Kälber verbringen etwa drei Viertel ihrer Zeit mit der Nahrungssuche und ein Viertel mit sozialem Verhalten, das meist am Nachmittag stattfindet und von gegenseitigem Reiben und komplexen Klicklautmustern, den sogenannten Codas, begleitet wird.
Der wichtigste natürliche Feind ist der Orca, wobei auch Grindwale und Falsche Killerwale Pottwale gelegentlich bedrängen. Orcas greifen vor allem Gruppen mit Kälbern an, während die Weibchen ihre Jungen durch Formationen wie die „Margeriten-Formation“ verteidigen, bei der sie mit den Köpfen nach innen und den kräftigen Flukes nach außen zeigen. Ausgewachsene Bullen gelten als zu groß und aggressiv, um von Orcas erfolgreich angegriffen zu werden, auch wenn dokumentierte Jagdversuche bislang stets erfolglos blieben.
Kommunikation
Pottwale kommunizieren fast ausschließlich über Klicklaute, die in vier Typen unterteilt werden: gewöhnliche Echoortungsklicks, sogenannte Creaks, Codas und langsame Klicks. Die Klicks entstehen, indem Luft durch die „Affenlippen“ am vorderen Ende der Nase gepresst wird, wonach der Schall durch das Spermaceti-Organ läuft, am Stirnsack reflektiert und über die linsenförmige Struktur der Melone gebündelt wird. Diese Mehrfachreflexion erzeugt eine charakteristische Klickstruktur, die für jedes Individuum einzigartig ist und sich mit dem Wachstum des Spermaceti-Organs verändert.
Die gewöhnlichen Echoortungsklicks dienen der Beutesuche, während Creaks – schnelle Serien hochfrequenter Klicks, die wie ein quietschendes Türscharnier klingen – beim endgültigen Anpirschen an die Beute eingesetzt werden. Langsame Klicks hören sich nur in Anwesenheit von Männchen und werden vor allem in Fortpflanzungsgebieten erzeugt, was auf ihre Funktion als Paarungssignal hindeutet.
Codas, kurze rhythmische Klickfolgen von meist drei bis zwölf Klicks, sind die auffälligsten Laute und werden innerhalb stabiler sozialer Einheiten erlernt. Da über 70 Prozent der Zeit mit einsamer Nahrungssuche verbracht wird, helfen Codas den Tieren vermutlich, sich nach langen, tiefen Tauchgängen wiederzufinden und soziale Bindungen zu bestätigen. Manche Coda-Muster kennzeichnen sogar die Zugehörigkeit zu bestimmten Verhaltensklans.
Jagd und Ernährung
Pottwale jagen mittels Echoortung in völliger Dunkelheit und tauchen dabei gewöhnlich 300 bis 800 Meter tief, manchmal sogar 1 bis 2 Kilometer, wobei ein Tauchgang über eine Stunde dauern kann. Markierungsstudien zeigen, dass sie am Grund ihrer Tauchgänge kopfüber jagen – vermutlich um Beutetiere als Silhouetten gegen das schwache Licht von oben zu erkennen.
Die Hauptnahrung besteht aus mittelgroßen Tintenfischen; vor den Galápagos-Inseln machten Kalmare der Gattungen Histioteuthis, Ancistrocheirus und Octopoteuthis den Großteil der Beute aus. Auch Riesenkalmare und Koloss-Kalmare gehören zum Beutespektrum, ebenso Kraken sowie Fische wie Grundrochen und Haie; gelegentlich wird auch der seltene Riesenmaulhai angegriffen. Weiße Narben an Pottwalen werden großen Kalmaren zugeschrieben, direkte Kämpfe wurden jedoch nie von Menschen beobachtet.
Pottwale nehmen täglich etwa 3 Prozent ihres Körpergewichts an Nahrung auf. An Langleinen in Alaska nutzen manche Tiere die Gelegenheit, Fische wie Schwarzen Heilbutt direkt von der Leine zu stehlen, statt selbst zu jagen. Die Vorstellung, dass die lauten Klicks Beute betäuben könnten, wurde experimentell nicht bestätigt.
Durch das Fressen in der Tiefe und das Ausscheiden an der Oberfläche tragen Pottwale zur sogenannten „Wal-Pumpe“ bei: Sie transportieren Nährstoffe aus der Tiefe nach oben und düngen damit das Phytoplankton, was die Produktivität der Ozeane fördert.
Bestand und ökologische Rolle
Die weltweite Bestandsgröße des Pottwals ist unbekannt, wird aber auf bis zu 360.000 Tiere geschätzt. Ökologisch spielt die Art durch die sogenannte Wal-Pumpe eine Rolle bei der Nährstoffverteilung im Ozean, da sie in der Tiefe gefressene Nährstoffe an der Oberfläche wieder ausscheidet und so das Phytoplanktonwachstum fördert.
Pottwale sind zudem Wirte verschiedener Parasiten: Bei einer Untersuchung von 35 während der antarktischen Walfangsaison 1976/77 gefangenen Tieren waren alle mit dem Fadenwurm Anisakis physeteris im Magen und dem Bandwurm Phyllobothrium delphini im Blubber infiziert. Bei zwei plazentatragenden Weibchen wurde außerdem Placentonema gigantissima nachgewiesen, möglicherweise der größte je beschriebene Fadenwurm überhaupt.
Schutz und Bedrohungen
Die IUCN stuft den Pottwal als „gefährdet“ (Vulnerable) ein; in den USA gilt er zudem als endangered nach dem Endangered Species Act. Der kommerzielle Walfang ist inzwischen beendet und die Art nahezu weltweit geschützt, wobei japanische Schiffe zwischen 2000 und 2011 dennoch 51 Pottwale fingen.
Seit den 2000er-Jahren stellen Verfangen in Fischernetzen und Kollisionen mit Schiffen die größten Bedrohungen dar. Hinzu kommen die Aufnahme von Meeresmüll, Unterwasserlärm und chemische Verschmutzung. Fischer jagen den Pottwal nicht gezielt zum Verzehr, beklagen aber, dass die Tiere Fische von Langleinen stehlen.
Die Art ist in Anhang I und II des Übereinkommens zur Erhaltung wandernder wildlebender Tierarten (CMS) sowie in Anhang I des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) gelistet, wodurch der kommerzielle internationale Handel mit der Art und ihren Teilen verboten ist. Zusätzlich schützen Abkommen wie ACCOBAMS und das Pacific Cetaceans MOU die Art in bestimmten Regionen.
Kulturelle Bedeutung
Zähne des Pottwals, an Schnüren getragen, sind wichtige Kulturobjekte im gesamten Pazifikraum. Die Māori Neuseelands nennen sie „rei puta“; da Pottwale in der traditionellen Māori-Gesellschaft nicht aktiv bejagt wurden, stammten Elfenbein und Knochen von gestrandeten Tieren und waren entsprechend selten. Auf Fidschi werden die Zähne als „tabua“ bezeichnet und traditionell als Geschenke zur Wiedergutmachung oder als Zeichen der Wertschätzung überreicht; sie spielten eine wichtige Rolle bei Verhandlungen zwischen rivalisierenden Häuptlingen. Mit der Ankunft der Europäer überschwemmten importierte Zähne den Markt, wodurch dieses „Zahlungsmittel“ zusammenbrach – ein Überangebot, das zugleich die europäische Kunst des Scrimshaw beförderte.
Herman Melvilles Roman Moby-Dick beruht auf der wahren Geschichte eines Pottwals, der das Walfangschiff Essex angriff und versenkte; Melville brachte den Pottwal mit dem biblischen Leviathan in Verbindung. In Jules Vernes Roman „Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer“ kämpft das U-Boot Nautilus gegen eine Gruppe von Pottwalen, die dort als wilde Jäger dargestellt werden.
1975 wurde der Pottwal per Beschluss der Generalversammlung zum offiziellen Wappentier des US-Bundesstaates Connecticut erklärt, sowohl wegen seiner historischen Bedeutung für den Staat als auch wegen seines heutigen Status als gefährdete Art.
Wissenswertes
- Der antike „Physeter“, von dem sich der Name der Art ableitet, war ursprünglich ein Seemonster aus dem griechisch-römischen Volksglauben, das laut Plinius dem Älteren im „Gallischen Ozean“ lebte.
- Frühneuzeitliche Naturforscher wie Rondelet beschrieben das Fabeltier als so wasserspeiend, dass es kleinere Boote mit seinem Blas umwerfen könne.
- Geharpunte oder in Netzen verfangene Pottwale könnten für so manche historische Sichtung eines „Seeungeheuers“ verantwortlich gewesen sein.
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Ökologie und Klassifikation
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Klassifikation
- Stamm
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- Klasse
- Mammalia
- Ordnung
- Cetacea
- Familie
- Physeteridae
- Gattung
- Physeter
- Art
- Physeter macrocephalus
Quellen
- GBIF Species names and classification
- iNaturalist Photos
- Wikidata Common names and conservation status
- Wikipedia Summary extract
- Encyclopedia of Life Habitat, diet and behavior traits
- AnAge Longevity



