Mit einer Gesamtlänge von bis zu 40 Zentimetern gehört die Östliche Smaragdeidechse (Lacerta viridis) zu den größten Eidechsenarten der gemäßigten Breiten Europas.
Sie gehört zur Familie der Lacertidae innerhalb der Schuppenkriechtiere und besiedelt die europäischen Mittelbreiten von Slowenien und dem östlichen Österreich bis zu den Schwarzmeerküsten der Ukraine und der Türkei. Die IUCN listet sie als „nicht gefährdet“ (Least Concern). Häufig lässt sie sich beim Sonnenbad auf Steinen und Rasenflächen beobachten oder beim Verschwinden in dichtem Gebüsch, was sie zu einer der auffälligsten Eidechsenarten ihres Verbreitungsgebiets macht.
Identifikation und Erscheinungsbild
Das auffälligste Merkmal ist der blaue Kehlfleck der Männchen, der bei Weibchen nur schwach oder gar nicht ausgeprägt ist. Zusammen mit dem größeren Kopf lässt sich so das Geschlecht meist sicher bestimmen.
Der Körper misst von der Schnauze bis zur Kloake bis zu 15 Zentimeter, der Schwanz kann noch einmal doppelt so lang werden, sodass die Gesamtlänge bis zu 40 Zentimeter erreicht. Trotz dieser Größe wiegt ein ausgewachsenes Tier nur etwa 15,7 Gramm.
Männchen sind überwiegend einheitlich grün gefärbt und tragen kleine dunkle Flecken, die auf dem Rücken besonders deutlich hervortreten. Weibchen wirken schlanker und gleichmäßiger gefärbt; bei ihnen zeigen sich häufig zwei bis vier helle Längsbänder, die von schwarzen Flecken gesäumt werden.
Verbreitung und Lebensraum
Die Östliche Smaragdeidechse besiedelt große Teile Südosteuropas: Ihr Verbreitungsgebiet reicht von Süddeutschland, Österreich, Ungarn, Tschechien und der Slowakei über den äußersten Nordosten Italiens, Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Montenegro, Albanien, Nordmazedonien und Griechenland bis zur südlichen Ukraine, nach Rumänien, Bulgarien und in die westliche Türkei.
Sie kommt in Höhenlagen bis zu 2.200 Metern vor. Typische Lebensräume sind dicht mit Gebüsch bewachsene Flächen in lichten Wäldern, Hecken, Feldränder, Böschungen und Brombeerdickichte. Im nördlichen Teil ihres Verbreitungsgebiets besiedelt sie eher Heideflächen mit Buschwerk, im Süden bevorzugt sie feuchtere Standorte.
Außerhalb ihres natürlichen Vorkommens gibt es eingeführte Bestände: Seit den späten 1990er-Jahren existiert eine Kolonie bei Bournemouth in England, die allerdings als Lacerta bilineata eingestuft wird. Auch auf der Kanalinsel Jersey lebt eine Population, die dort möglicherweise sogar heimisch ist, und im US-Bundesstaat Kansas wurde die Art ebenfalls angesiedelt.
GBIF-Beobachtungsdaten zeigen einen deutlichen saisonalen Schwerpunkt: Die Meldezahlen steigen von niedrigen Werten im Winter stark an und erreichen im Mai mit über 7.000 Beobachtungen ihren Höhepunkt, bevor sie zum Herbst hin wieder abfallen. Das spricht für eine besonders auffällige Aktivität im Frühjahr und Frühsommer, doch handelt es sich dabei ausschließlich um Anwesenheitsmeldungen, nicht um Angaben zur Bestandsgröße.

Verhalten und Lebensweise
Die Art lebt bodennah und hält sich bevorzugt in niedriger, dichter Vegetation auf. Charakteristisch ist das Sonnenbaden am frühen und späten Tag, mit dem die wechselwarmen Tiere ihre Körpertemperatur regulieren.
Bei der Nahrungssuche zeigt sich die Eidechse als Gelegenheitsjägerin: Sie ernährt sich hauptsächlich von Insekten und anderen kleinen Wirbellosen, nimmt aber gelegentlich auch Früchte, Vogeleier, Nestlinge, kleinere Eidechsen und sogar Mäuse.
Im Frühjahr legt das Weibchen sechs bis zwanzig Eier, aus denen die Jungtiere nach zwei bis vier Monaten schlüpfen. Frisch geschlüpfte Jungtiere sind blassbraun gefärbt und messen von der Schnauze bis zur Kloake nur 3 bis 4 Zentimeter. Im folgenden Jahr werden sie geschlechtsreif und haben ihre Körpergröße bis dahin verdoppelt.
Bestand und ökologische Rolle
Genaue Bestandszahlen oder Trendangaben liegen nicht vor, doch die Art spielt als Beutetier eine feste Rolle im Nahrungsnetz ihrer Lebensräume. Zu ihren Fressfeinden zählen Rotfüchse, Dachse und verwilderte Hauskatzen ebenso wie Greifvögel wie Mäusebussard und Turmfalke sowie Rabenvögel.
Auch Schlangen wie die Kreuzotter erbeuten die Eidechse. Diese breite Palette an Prädatoren aus Säugetieren, Vögeln und Reptilien macht deutlich, dass die Art in vielen ihrer Lebensräume ein wichtiges Bindeglied zwischen Insektenfauna und größeren Fleischfressern darstellt.
Schutz und Bedrohungen
Die IUCN stuft die Östliche Smaragdeidechse als „nicht gefährdet“ (Least Concern) ein. Grund dafür ist ihr großes Verbreitungsgebiet, in dem sie zumindest stellenweise häufig vorkommt, sowie ihre Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Lebensräume.
Über die meisten Teile ihres Vorkommens sind keine wesentlichen Gefährdungen bekannt. Eine Ausnahme bildet die Türkei, wo der Einsatz von Pestiziden den Bestand beeinträchtigen kann.
Schutzstatus
- LC
- NT
- VU
- EN
- CR
Nicht gefährdet
Kulturelle Bedeutung
In der ägyptischen und griechischen Mythologie galt die grüne Eidechse als Symbol des Glücks. Die Römer deuteten ihre monatelange Winterruhe dagegen als Sinnbild für Tod und Wiedergeburt, während Eidechsen in vielen anderen Kulturen eher als Symbol des Bösen oder gar des Teufels galten.
Nach der Gattung Lacerta ist auch ein Sternbild benannt. Es gilt als „modernes“ Sternbild, dem – obwohl sein zickzackförmiges Muster schon den Griechen und Römern auffiel – keine überlieferte Mythologie zugeordnet ist.
Wissenswertes
- Außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets gibt es eingeführte Populationen, etwa eine Kolonie bei Bournemouth in England (seit den späten 1990er-Jahren) und im US-Bundesstaat Kansas.
- Trotz einer Gesamtlänge von bis zu 40 Zentimetern wiegt ein ausgewachsenes Tier nur rund 15,7 Gramm.
- Das Sternbild Lacerta, benannt nach der Eidechsengattung, wurde vom Astronomen Johannes Hevelius eingeführt; obwohl es schon den Griechen und Römern bekannt war, existiert keine traditionelle Mythologie dazu.
- Auf der Kanalinsel Jersey könnte die dort lebende Population sogar heimisch sein, statt eingeführt zu sein.
Ökologie
Lebensraum
- Feuchtgebiet
- Waldgebiet
- Buschland
- Grasland
Verhalten
- Räuber
- Winterschlaf haltend
- Tagaktiv
Ernährung
- Allesfresser


