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Zauneidechse

Lacerta agilis

LCNicht gefährdet
Eine Zauneidechse mit braun-grauem Rücken und einer Reihe dunkler, hell gekernter Flecken entlang der Flanken, die sich auf einem sonnigen Sandfleck aufhältFoto: via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., CC0

Auf einen Blick

Bekannt für
KüstenbewohnerBuschlandGebirgeEinzelgängerTerritorialAggressiv
Klassifikation
Stamm
Chordata
Klasse
Squamata
Familie
Lacertidae
Gattung
Lacerta
Art
Lacerta agilis

Zur Paarungszeit im Frühjahr verfärben sich die Flanken der Männchen leuchtend grün – ein Farbwechsel, der außerhalb der Balzsaison wieder verschwindet. Bei der östlichen Unterart Lacerta agilis exigua können Männchen sogar das ganze Jahr über grün gefärbt sein.

Die Zauneidechse (Lacerta agilis Linnaeus, 1758) ist eine Echse aus der Familie der Lacertidae und in mehrere Unterarten gegliedert, darunter L. a. agilis, L. a. argus und L. a. exigua. Sie besiedelt weite Teile Europas und Asiens und gilt nach der Einstufung der IUCN weltweit als nicht gefährdet (Least Concern), wenngleich sie regional, etwa in Großbritannien und Schweden, unter strengem Schutz steht.

Besonders lesenswert macht die Art ihr ausgeprägtes Sozial- und Paarungsverhalten: aggressive Rivalenkämpfe der Männchen, ein wählerisches Paarungsverhalten der Weibchen und eine Fortpflanzungsbiologie, die bis zur gezielten Auswahl von Spermien reicht.

Identifikation und Erscheinungsbild

Das auffälligste Merkmal der Zauneidechse sind die augenförmigen (ozellierten) Flecken – dunkle Punkte mit hellem Kern – die in Reihen entlang des Rückens und der Flanken verlaufen. In Nordwesteuropa zeigen beide Geschlechter dieses Muster, wobei die Zeichnung der Männchen feiner ausfällt als die der Weibchen.

Ausgewachsene Männchen erreichen eine Gesamtkörperlänge von bis zu 19,3 cm, Weibchen bleiben mit bis zu 18,5 cm etwas kleiner. Bei den beiden westlichen Unterarten L. a. agilis und L. a. argus ist der Rückenstreif schmal, unterbrochen oder ganz fehlend; L. a. argus besitzt zudem eine ungezeichnete rot- oder braunrückige Farbphase. Bei diesen westlichen Formen färben sich nur die Flanken der Männchen zur Paarungszeit grün, während Männchen der östlichen Unterart L. a. exigua auch außerhalb der Balz vollständig grün sein können.

Weibchen sind grau bis braun gefärbt und tragen von Mai bis August oft deutlich gewölbte Bäuche, gefüllt mit Eiern. Ein wichtiges Erkennungsmerkmal ist außerdem die Fähigkeit zur Autotomie: Bei Gefahr kann die Zauneidechse ihren Schwanz selbst abwerfen, um Fressfeinden zu entkommen.

Zauneidechsen werden im Schnitt 5 bis 6 Jahre alt, einzelne Tiere können jedoch über zehn Jahre erreichen.

Verbreitung und Lebensraum

Die Zauneidechse bevorzugt trockene, offene Lebensräume mit sonnenexponierten Sandstellen: Heideland, Küstendünen, Felsvorsprünge, Brachflächen, Hügel und sogar Steingärten. Entscheidend ist ein Mosaik aus dichter Vegetation wie Heidekraut oder Strandhafer für Deckung und Temperaturregulation sowie unbeschattete Sandflecken zum Graben von Brutröhren und zur Eiablage.

Während die Art auf dem europäischen Festland eine breite Palette an Habitaten nutzt, ist sie im kühleren Großbritannien weitgehend auf Küstenlebensräume beschränkt, da dort ausreichend Sand zur Bebrütung der Eier erforderlich ist.

Männchen besetzen große, stark überlappende Reviere, während Weibchen deutlich kleinere Heimatgebiete von meist unter 100 Quadratmetern bewohnen, die aneinandergrenzen oder sich sogar Brutröhren und Sonnenplätze teilen. Besonders aktiv sind die Tiere in strukturreichen Bereichen, die unterschiedliche Mikroklimazonen bieten, zwischen denen sie je nach Bedarf wechseln können.

Beobachtungsdaten zeigen eine deutliche saisonale Häufung der Sichtungen von April bis August mit einem Höhepunkt im Mai, während im Winter kaum Nachweise vorliegen. Solche Zahlen spiegeln jedoch lediglich die Häufigkeit von Beobachtungen wider, nicht die tatsächliche Bestandsgröße oder das vollständige Verbreitungsgebiet der Art.

Karte der dokumentierten Nachweise von Lacerta agilis
Wo die Art nachgewiesen wurde · GBIF
44.333
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Monatliche Vorkommenszahlen · GBIF

Verhalten und Lebensweise

Nach dem morgendlichen Erscheinen verbringen Zauneidechsen lange Phasen mit Sonnenbaden, unterbrochen von kurzen Ausflügen zur Nahrungssuche, und halten sich ansonsten viel unter schützender Vegetation auf. Bei schlechtem Wetter erscheinen sie später und sonnen sich seltener. Am häufigsten liegen sie auf Holzstämmen, die Wärme gut speichern und langsam abgeben und zugleich einen guten Überblick über Fressfeinde und Beute bieten; offenen Sand oder blanken Boden meiden sie beim Sonnenbaden. Baden teilen sich die Tiere nur selten – Männchen vermeiden gemeinsame Sonnenplätze mit anderen Männchen fast vollständig und tolerieren höchstens gelegentlich Weibchen.

Die eigentliche Paarungszeit ist mit nur 17 Tagen im Jahr sehr kurz. In dieser Phase werden die Männchen nach der Winterruhe extrem aggressiv gegeneinander und versuchen, so viele Weibchen wie möglich zu begatten – maximal etwa sechs pro Saison, da das Bewachen einer einzelnen Partnerin nach der Paarung bis zu 18 Prozent der gesamten Balzzeit beanspruchen kann.

Rivalisierende Männchen zeigen zunächst ritualisierte Drohgebärden: Sie stützen sich auf allen vier Beinen auf und richten sich auf, um den Gegner einzuschüchtern. Weicht dieser nicht zurück, folgen echte Kämpfe mit Bissen, die vor allem auf Kopf und andere verwundbare Stellen zielen und gelegentlich zu tiefen Verletzungen der Kiefermuskulatur führen. Gleich große Männchen liefern sich dabei längere Auseinandersetzungen als ungleiche Gegner; wer im eigenen Revier kämpft, gewinnt dabei nicht automatisch häufiger. Tiere, die sich mehrfach begegnen, erkennen sich offenbar individuell wieder – wiederholte Kämpfe zwischen denselben Rivalen fallen daher deutlich kürzer aus als die erste Begegnung.

Weibchen weisen paarungsbereite Männchen außerhalb ihrer empfänglichen Phase durch ein charakteristisches Kopfnicken ab, verhalten sich während der Empfänglichkeit jedoch kaum wählerisch gegenüber unterschiedlichen Partnern. Männchen bevorzugen bei der Partnerwahl größere Weibchen, paaren sich bei Gelegenheit aber auch mit kleineren – wobei zu kleine Männchen mitunter Schwierigkeiten haben, größere Weibchen während der bis zu vier Minuten dauernden Kopulation mit dem Kiefer festzuhalten.

Fortpflanzung und Lebenszyklus

Nach der Winterruhe werden Männchen zunehmend aggressiv und versuchen, in kurzer Zeit möglichst viele Weibchen zu begatten. Beide Geschlechter zehren während der Paarungszeit von Fettreserven aus Körper, Leber und Schwanzansatz. Bei Weibchen setzt die Vitellogenese, also die Eibildung, im Alter von etwa 45 Tagen für die Population ein.

Die Weibchen legen ihre Eier in lockeren Sand an einem sonnenexponierten Ort ab und überlassen die weitere Entwicklung der Wärme des Bodens. Pro Jahr wird meist nur eine einzige Gelege mit sechs bis 15 Eiern produziert; der Zeitpunkt der Eiablage schwankt zwischen den Weibchen, ist aber bei jedem einzelnen Tier von Jahr zu Jahr recht konstant. Größere, fittere Weibchen legen tendenziell früher, und ihre Nachkommen sind größer, überlebensfähiger und insgesamt hochwertiger als aus späteren Gelegen.

Die Gelegegröße steht in einem Kompromiss zur Größe der einzelnen Eier: Größere Gelege bringen kleinere Jungtiere hervor, kleinere Gelege dagegen weniger, aber größere Nachkommen. Reichlicheres Nahrungsangebot führt zu größeren Gelegen, was zeigt, dass verfügbare Ressourcen und der begrenzte Platz im Körper der Weibchen die Gelegegröße mitbestimmen. Mit zunehmendem Alter steigt der Fortpflanzungserfolg der Weibchen, was vor allem auf die mit dem Alter wachsende Körpergröße zurückzuführen ist und weniger auf gesammelte Erfahrung.

Paart sich ein Weibchen mit mehreren Männchen, kann es im weiblichen Fortpflanzungstrakt zu Spermienkonkurrenz kommen. Weibchen scheinen dabei aktiv Spermien entfernter verwandter Männchen zu bevorzugen, was Inzuchtdepression bei den Nachkommen verringert; durch mehrfache Befruchtung können Gelege auch mehrere Väter haben. Fehlbildungen bei Nachkommen, die in freier Wildbahn beobachtet wurden und sich unter Laborbedingungen reproduzieren lassen, werden vor allem auf Inzucht durch die polygyne Paarungsweise der Männchen und die vergleichsweise lange Lebensdauer der Art zurückgeführt.

Bestand und ökologische Rolle

Zauneidechsen stehen auf dem Speiseplan zahlreicher Fressfeinde: Marder, Füchse, Dachse, Greifvögel und Schlangen zählen ebenso dazu wie verwilderte oder domestizierte Tiere wie Fasane, Hühner und Hauskatzen. Ihre Fluchtfähigkeit – schnelles, wendiges Laufen sowie die Fähigkeit zur Autotomie des Schwanzes – ist direkt mit dem Überleben solcher Angriffe verknüpft: Tiere, die ihren Schwanz abwerfen, laufen anschließend schneller und entkommen Verfolgern besser. Abgeworfene Schwänze wachsen allerdings nie wieder auf mehr als etwa 80 Prozent ihrer ursprünglichen Länge nach.

Die Art ist außerdem ein häufiger Wirt für Zecken, die ein erhebliches Gesundheitsrisiko darstellen, besonders für Männchen während der Paarungszeit, wenn diese sich viel bewegen. Männchen mit größeren Reviergrößen tragen dabei tendenziell noch höhere Parasitenlasten. Im Verdauungstrakt der Tiere finden sich zudem Trematoden, Metacercarien, Bandwurmlarven, Nematoden und Milben.

Schutz und Bedrohungen

Weltweit gilt die Zauneidechse laut IUCN als nicht gefährdet (Least Concern), doch regional ist die Situation deutlich angespannter: In Großbritannien und weiten Teilen Europas steht sie unter strengem gesetzlichem Schutz – anders als etwa die russische Unterart L. a. exigua, deren russischer Name schlicht „gewöhnliche Eidechse“ bedeutet.

Die Hauptbedrohungen sind Habitatzerstörung, Habitatverschlechterung und Habitatfragmentierung, mangelndes Habitatmanagement sowie der Klimawandel. In Schweden gelten die Bestände als stark fragmentiert; dies wird mit zunehmender Inzucht und geringer genetischer Vielfalt in Verbindung gebracht. Dort gingen die Populationen laut einer Einschätzung von 2017 in den vorangegangenen rund 20 Jahren um etwa 20 bis 40 Prozent zurück, wobei die schwedischen Vorkommen meist an spärlich bewachsenen Küstenstandorten liegen, gelegentlich aber auch weiter im Landesinneren, etwa in Värmland und Dalarna.

In Großbritannien, wo die Zauneidechse eine von nur sechs heimischen Reptilienarten ist, koordiniert der Amphibian and Reptile Conservation Trust Schutzmaßnahmen einschließlich eines erfolgreichen Nachzucht- und Wiederansiedlungsprogramms. Notwendig bleiben außerdem Habitatschutz und -pflege, Verbreitungserhebungen, laufende Bestands- und Statusüberwachung, wissenschaftliche Forschung und Aufklärungsarbeit in der Öffentlichkeit.

Schutzstatus

  1. LC
  2. NT
  3. VU
  4. EN
  5. CR

Nicht gefährdet

Kulturelle Bedeutung

Zur eigentlichen Zauneidechse selbst liegen keine belegten mythologischen oder kulturellen Überlieferungen vor. Bemerkenswert ist lediglich eine Namensverwechslung: Das Sternbild Lacerta, benannt nach der lateinischen Bezeichnung für Eidechse, trägt zwar denselben Namen wie die Gattung Lacerta, ist jedoch ein modernes Sternbild ohne eigene mythologische Erzähltradition aus der Antike – ein Zufall der Namensgebung, keine kulturelle Verbindung zur Echse selbst.

Wissenswertes

  1. Ein abgeworfener Schwanz wächst bei der Zauneidechse nie vollständig nach – er erreicht maximal etwa 80 Prozent seiner ursprünglichen Länge.
  2. Im Schnitt werden Zauneidechsen 5 bis 6 Jahre alt, einzelne Individuen können jedoch über zehn Jahre überleben.
  3. Die gesamte Paarungszeit dauert nur 17 Tage im Jahr – in dieser kurzen Phase begattet ein Männchen maximal etwa sechs Weibchen.
  4. Weibchen können Spermien mehrerer Männchen im Körper vergleichen und bevorzugen dabei offenbar die Spermien entfernter verwandter Partner, um Inzucht bei den Nachkommen zu vermeiden.
  5. Männchen mit größeren Revieren tragen tendenziell eine höhere Zeckenlast als Männchen mit kleineren Territorien.
  6. Das Sternbild Lacerta teilt seinen Namen mit der Gattung der Zauneidechse, hat aber als modernes Sternbild keine eigene antike Mythologie.

Ökologie

Lebensraum

  • Küstenbewohner
  • Buschland
  • Gebirge
  • Grasland

Verhalten

  • Einzelgänger
  • Territorial
  • Aggressiv
  • Tagaktiv

Fotos

20 Fotos
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Eine Zauneidechse mit braun-grauem Rücken und einer Reihe dunkler, hell gekernter Flecken entlang der Flanken, die sich auf einem sonnigen Sandfleck aufhältFoto: via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., CC0

QuellenGBIFiNaturalistWikidataWikipediaEncyclopedia of Life