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Seitenwinder-Klapperschlange

Crotalus cerastes

LCNicht gefährdet
Eine sandfarbene Klapperschlange mit hornartigen Schuppen über den Augen, die sich in S-förmigen Schlingen seitlich über lockeren Wüstensand bewegt.Foto: via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., CC0

Messwerte

Gewicht
0,211–0,211 kg
Lebensdauer
≤ 27,3 Jahre
Klassifikation
Stamm
Chordata
Klasse
Squamata
Familie
Viperidae
Gattung
Crotalus
Art
Crotalus cerastes

Statt sich wie andere Schlangen geradeaus vorwärtszuschieben, wirft die Seitenwinder-Klapperschlange ihren Körper in S-förmigen Schlingen seitlich über den Sand und hinterlässt dabei ein charakteristisches Muster aus parallelen, J-förmigen Spuren. Diese ungewöhnliche Fortbewegungsart hat der Art ihren Namen gegeben und macht sie zu einer der auffälligsten Anpassungen an das Leben im lockeren Wüstensand.

Crotalus cerastes gehört zur Familie der Grubenottern (Viperidae) und ist in den Wüstenregionen des Südwestens der Vereinigten Staaten sowie im nordwestlichen Mexiko heimisch. Die IUCN listet die Art als nicht gefährdet (Least Concern). Ihre Kombination aus giftiger Bewaffnung, hornartigen Augenschuppen und einer hochspezialisierten Fortbewegung macht sie zu einem der bemerkenswertesten Bewohner der nordamerikanischen Wüsten.

Identifikation und Erscheinungsbild

Das auffälligste Merkmal der Seitenwinder-Klapperschlange sind die erhabenen, hornartigen Schuppen über den Augen, die der Art ihren Beinamen „Hornklapperschlange“ eingebracht haben. Man vermutet, dass diese Schuppen die Augen beschatten oder verhindern, dass Sand in sie hineinweht, während das Tier fast vollständig im Sand vergraben liegt.

Adulte Tiere erreichen eine Gesamtlänge von 43 bis 80 Zentimetern, wobei die Weibchen größer werden als die Männchen – eine Besonderheit, die unter den Klapperschlangen der USA einzigartig ist. Am Körperkörper zählt man in der Regel 21 Reihen gekielter Rückenschuppen; Männchen besitzen höchstens 141, Weibchen höchstens 144 Bauchschuppen.

Die Grundfärbung variiert von cremeweiß über sandfarben und gelblich-braun bis hin zu rosa oder aschgrau und ist mit 28 bis 47 rautenförmigen bis elliptischen Rückenflecken überzogen. Der Bauch ist bei der Nominatform weiß, der proximale Rattenlappen der Klapperschlangenklapper bei adulten Tieren braun. Die Art kann ihre Farbtönung zudem je nach Temperatur leicht verändern, ein Phänomen, das als Metachrose bezeichnet wird.

Verbreitung und Lebensraum

Die Seitenwinder-Klapperschlange bewohnt die Wüstenregionen des südöstlichen Kalifornien, des südlichen Nevada, des südwestlichen Utah und des westlichen Arizona in den USA sowie das westliche Sonora und das östliche Baja California in Mexiko. Sie kommt vom Meeresspiegel bis in Höhen von 1830 Metern vor, hält sich aber meist unterhalb von 1200 Metern auf, da bergiges Gelände ihre Fortbewegung erschwert.

Bevorzugte Lebensräume sind feine Sanddünen, lockere Sandwaschen, harte Ebenen und felsiges Gelände, wobei die Art besonders häufig in Gebieten mit spärlicher Vegetation auftritt, etwa auf mit Kreosotbüschen bestandenen Sandhügeln. Tagsüber sucht sie Schutz in verlassenen Nagetierbauen, unter Büschen, auf Sanddünen oder unter großen Felsen.

Monatliche Beobachtungsdaten zeigen einen deutlichen Anstieg im Frühjahr, mit einem Höhepunkt im Mai, gefolgt von einem Rückgang über den Sommer und einem deutlichen Tiefpunkt im Winter zwischen November und Januar. Solche Zahlen spiegeln jedoch lediglich die Häufigkeit von Sichtungen wider, nicht die tatsächliche Bestandsgröße, und deuten am ehesten auf eine erhöhte Oberflächenaktivität im Frühjahr hin.

Karte der dokumentierten Nachweise von Crotalus cerastes
Wo die Art nachgewiesen wurde · GBIF
2.337
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Monatliche Vorkommenszahlen · GBIF

Verhalten und Lebensweise

Die Seitenwinder-Klapperschlange ist ein Einzelgänger, der während der heißen Monate überwiegend nachtaktiv ist und in den kühleren Monaten von November bis März tag- und dämmerungsaktiv wird. Um ihre Körpertemperatur nahe 30 °C zu halten, sonnt sie sich an kühlen Tagen gezielt, zieht sich bei Überhitzungsgefahr aber sofort auf kühlere Untergründe wie Felsen zurück, da eine Überhitzung tödlich enden kann.

Ihre namensgebende Fortbewegung, das Seitwärtsgleiten, ist eine komplexe, wellenförmige Bewegung in S-Form, bei der der hintere Körperteil wie ein Lasso nach vorn geworfen wird. Dadurch bleibt stets nur ein kleiner Teil des Körpers mit dem heißen Sand in Kontakt, was die Schlange gegen die Hitze der Wüstenoberfläche isoliert und ihr erlaubt, selbst steile Sandhänge ohne Abrutschen zu erklimmen.

Die Streifgebiete der Art zählen mit durchschnittlich 23 Hektar (Spanne 7,3 bis 61 Hektar) zu den größten aller Klapperschlangenarten. Männchen legen während der Paarungszeit im Schnitt größere Tagesdistanzen zurück als Weibchen, wobei subadulte Männchen mit bis zu 223 Metern pro Nacht die weitesten Strecken zurücklegen. Die Populationsdichte liegt bei 0,48 bis 1,18 Tieren pro Hektar, sodass sich die Reviere einzelner Tiere überlappen können, obwohl die Art territorial ist.

Besonders ungewöhnlich ist das Verhalten neugeborener Tiere: Sie sammeln sich in den ersten sieben bis zehn Lebenstagen zu einer dichten Masse am Eingang ihres Geburtsbaus und verschließen ihn tagsüber gemeinsam. Durch ständige Bewegung der Tiere hält diese Ansammlung eine stabile Durchschnittstemperatur von etwa 32 °C, obwohl die Außentemperatur weit höher liegt – ein bei Schlangen sonst nicht beobachtetes Verhalten kollektiver Temperaturregulation.

Kommunikation

Zur Ortung von Beutetieren nutzt die Seitenwinder-Klapperschlange vor allem ihre Grubenorgane, die Infrarotstrahlung wahrnehmen, sowie ihr Vomeronasalorgan, mit dem sie über die Zunge aufgenommene chemische Signale analysiert. Über dieses Organ kann sie sogar spezifische Hautsubstanzen von Königsnattern (Lampropeltis) erkennen und diesen gefährlichen Fressfeinden gezielt ausweichen.

Tastsinn spielt bei fast jeder Aktivität eine Rolle: Männchen nutzen ihn bei der Partnersuche und dem Balzverhalten, alle Tiere setzen ihn beim Beutefang und bei der Wahrnehmung von Berührungen mit dem Untergrund während der verschiedenen Fortbewegungsarten ein. Sehen dient dagegen nur als ergänzender Sinn.

Bei Bedrohung schüttelt die Schlange ihre Rasseln am Schwanzende, ein Signal, das gleichzeitig akustisch, visuell und über Vibrationen wahrgenommen werden kann und potenzielle Angreifer warnen soll.

Jagd und Ernährung

Die Seitenwinder-Klapperschlange jagt vor allem in der Dämmerung und im Morgenlicht aus dem Hinterhalt, wobei ihre sandfarbene Tarnung sie für Beutetiere fast unsichtbar macht. Zur Ortung nutzt sie ihre Infrarot-Grubenorgane und das chemische Vomeronasalorgan; das Sehen spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Jungtiere setzen zusätzlich eine besondere Technik ein, das sogenannte „caudale Locken“: Sie bewegen ihre Schwanzspitze so, dass sie einmal wie ein flatternder Nachtfalter und ein andermal wie eine langsam kriechende Raupe wirkt, um Echsen anzulocken. Mit zunehmendem Alter verlieren die Tiere dieses Verhalten, sobald sie von Echsenbeute auf ihr Hauptnahrungsspektrum umstellen.

Über die Hälfte der Nahrung besteht aus Echsen wie der Glattschlange (Arizona elegans), der Westlichen Bodenschlange (Sonora semiannulata), der Zebraschwanz-Eidechse (Callisaurus draconoides), der Westlichen Peitschenschwanzeidechse (Aspidoscelis tigris) und der Colorado-Fransenzehenechse (Uma notata). Über 40 Prozent der Beute sind Kleinsäuger wie Hausmäuse, Wüstentaschenmäuse und Bottas Taschenratten. Größere Individuen erbeuten zudem Vögel wie Lerchenammern, Haussperlinge und Kaktuszaunkönige.

Die Zusammensetzung der Beute verschiebt sich mit der Jahreszeit: In den warmen Spätfrühlings- und Sommermonaten, wenn die Schlange überwiegend nachtaktiv ist, überwiegen Kleinsäuger, während sie im kühleren Früh- und Herbstjahr, wenn tagaktive Echsen leichter zu erbeuten sind, verstärkt auf diese ausweicht.

Fortpflanzung und Lebenszyklus

Die Paarung der Seitenwinder-Klapperschlange folgt einem polygynen System: Männchen können bis zu dreimal pro Jahr paaren, während Weibchen nur bei ausreichend warmen Temperaturen zwischen April und Juli paarungsbereit sind. Da geeignete Weibchen über das Verbreitungsgebiet verstreut sind, legen die Männchen während der Paarungssaison oft weite, geradlinige Strecken zurück und fressen in dieser Zeit vermehrt, um den hohen Energiebedarf zu decken.

Beim Balzverhalten kriecht das Männchen über den Rücken des Weibchens und reibt es mit dem Kinn, bevor beide ihre Schwänze verschlingen und die Kloaken zusammenführen. Die Paarung kann sich über mehrere Stunden hinziehen, und Weibchen verpaaren sich in einer Saison mitunter mit mehreren Männchen. Weibchen fressen während der Vitellogenese, der frühen Phase des Fortpflanzungszyklus, besonders viel, reduzieren die Nahrungsaufnahme während der vier bis fünf Monate dauernden Trächtigkeit jedoch deutlich.

Die Jungen kommen lebend zur Welt, meist im Spätsommer oder frühen Herbst, in Wurfgrößen von 4 bis 18 Tieren, im Schnitt etwa 10. Die Geburt selbst dauert nur zwei bis drei Stunden; die Neugeborenen befreien sich innerhalb weniger Minuten aus einer dünnen Embryonalhülle und sind bei der Geburt 15 bis 20 Zentimeter lang. Das Weibchen bewacht den Nachwuchs im Geburtsbau für etwa sieben bis zehn Tage, bis dieser sich zum ersten Mal häutet; danach verlassen die Jungtiere den Bau endgültig und haben keinen weiteren Kontakt zur Mutter oder zu ihren Geschwistern.

Beide Geschlechter erreichen die Geschlechtsreife mit zwei bis drei Jahren. Manche Weibchen setzen bei knappem Nahrungsangebot ein oder sogar zwei Fortpflanzungsjahre aus, da die Trächtigkeit und Geburt energetisch enorm belastend sind – nicht selten sterben Weibchen in freier Wildbahn erschöpft nach der Geburt. Während Weibchen in der Natur im Schnitt nur rund fünf Jahre alt werden, können Männchen bis zu 13 Jahre erreichen; unter guten Haltungsbedingungen in Gefangenschaft sind sogar Lebensalter von über 20 Jahren dokumentiert.

Bestand und ökologische Rolle

Die Seitenwinder-Klapperschlange erreicht in ihrem Lebensraum Dichten von etwa 0,48 bis 1,18 Tieren pro Hektar. Der Bestandstrend wurde bei der IUCN-Bewertung von 2007 als stabil eingeschätzt.

Ökologisch wirkt die Art sowohl als Regulator von Kleinsäuger- und Echsenpopulationen als auch als Nahrungsquelle für größere Räuber. Sie ist zudem Wirt für mehrere parasitische Organismen, darunter die Blutparasiten der Gattungen Haemogregarina und Hepatazoon sowie den im Verdauungstrakt lebenden Fadenwurm Thubunaea cnemidophorus.

Schutz und Bedrohungen

Die IUCN listet die Seitenwinder-Klapperschlange als nicht gefährdet (Least Concern), eine Einstufung, die auf ihrer weiten Verbreitung, der vermuteten großen Population und dem Fehlen von Hinweisen auf einen raschen Rückgang beruht. Weder das US Federal List, noch CITES oder die Liste des Bundesstaates Michigan gewähren der Art einen besonderen Schutzstatus.

Derzeit werden keine gezielten Schutzmaßnahmen für die Art durchgeführt, da kein akuter Handlungsbedarf besteht. Ein wesentlicher Teil ihres Lebensraums liegt jedoch bereits innerhalb bestehender Schutzgebiete, darunter der Death Valley National Park, der Sequoia National Park, das Desert National Wildlife Refuge, das Mojave National Preserve, der Joshua Tree National Park, die Kofa National Wildlife Range, das Organ Pipe Cactus National Monument und das Gila River Indian Reservation.

Der 2007 bewertete Bestandstrend gilt als stabil, was zusammen mit dem großen Verbreitungsgebiet die aktuelle Einstufung stützt.

Schutzstatus

  1. LC
  2. NT
  3. VU
  4. EN
  5. CR

Nicht gefährdet

Kulturelle Bedeutung

Der Gattungsname Cerastes geht auf eine mythologische, gehörnte Schlangenkreatur der griechischen Antike zurück, deren Legende vermutlich von den Gewohnheiten echter Hornvipern inspiriert wurde. In mehreren Kulturen galt dieses gehörnte, gewandte Wesen als Symbol für Macht, Schutz und Fruchtbarkeit.

Gleichzeitig prägt die Seitenwinder-Klapperschlange mit ihren hornartigen Augenschuppen, ihrer giftigen Bewaffnung und ihrer gespaltenen Zunge auch das in der westlichen Kultur verbreitete Bild der Schlange als unheilvolles, teuflisches Wesen.

Einen direkten praktischen Nutzen für Menschen hat die Art nach vorliegenden Angaben nicht. Bemerkenswert ist jedoch, dass ihre wärmeempfindlichen Grubenorgane als Inspiration für die Namensgebung der AIM-9-Sidewinder-Lenkwaffe dienten, die wie die Schlange Infrarotstrahlung zur Zielverfolgung nutzt.

Wissenswertes

  1. Von Crotalus cerastes werden derzeit drei Unterarten anerkannt, die sich über den Südwesten der USA und das nordwestliche Mexiko verteilen.
  2. Die Seitwärtsbewegung ist keine Erfindung dieser Art allein: Auch die afrikanischen Hornvipern Bitis caudalis und Bitis peringueyi bewegen sich auf lockerem Wüstensand auf dieselbe Weise – ein Beispiel für konvergente Evolution auf unterschiedlichen Kontinenten.
  3. Ingenieure haben das Bewegungsmuster der Seitenwinder-Klapperschlange als Vorbild für sogenannte „Snakebots“ genutzt, Roboter, die sich robotisch über Sand und Schlamm fortbewegen können.
  4. Eine Theorie besagt, dass die hornartigen Schuppen über den Augen die Schlange schützen, wenn sie beim Jagen mit dem Kopf gegen die Decke eines Nagetierbaus stößt.
  5. Im US-Bundesstaat Nevada gilt sie trotz ihres Rufs als Wüstenschlange als die kleinste und am wenigsten gefährliche Klapperschlangenart des Staates.

Ökologie

Ernährung

  • Fleischfresser

Verhalten

  • Nachtaktiv
  • Räuber
  • Einzelgänger
  • Territorial

Lebensraum

  • Buschland
  • Wüste

Fotos

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Eine sandfarbene Klapperschlange mit hornartigen Schuppen über den Augen, die sich in S-förmigen Schlingen seitlich über lockeren Wüstensand bewegt.Foto: via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., CC0

QuellenGBIFiNaturalistWikidataWikipediaEncyclopedia of LifeAnimal Diversity WebAnAge