Trotz seines deutschen Namens ist der Zwerg-Bläuling kaum blau: Die Männchen zeigen nur eine leichte bläuliche Bestäubung an der Flügelbasis, ansonsten sind beide Geschlechter überwiegend dunkelbraun gefärbt.
Die Art gehört zur Familie der Bläulinge (Lycaenidae) innerhalb der Schmetterlinge (Lepidoptera) und ist in weiten Teilen der Paläarktis verbreitet. Nach Einschätzung der IUCN gilt sie als nicht gefährdet. Sie kann in Kolonien von bis zu mehreren hundert Individuen leben, was sie zu einem interessanten Studienobjekt für lokale Populationsdynamik macht.
Identifikation und Erscheinungsbild
Das wichtigste Erkennungsmerkmal ist die silbrig-graue Flügelunterseite mit schwarzen Punkten, die bei beiden Geschlechtern auftritt. Mit einer Flügelspannweite von 16–27 mm ist die Art einer der kleinsten Tagfalter überhaupt, wobei Männchen meist kleiner als Weibchen ausfallen.
Männchen sind dunkelbraun mit verstreuten hellblauen Schuppen, die die Flügeloberseite sprenkeln, und zeigen zudem einen bläulichen Schimmer an der Flügelbasis. Weibchen hingegen fehlt diese blaue Sprenkelung vollständig, sie wirken gleichmäßig dunkelbraun.
Verwechslungsgefahr besteht mit dem Weibchen des Alexis-Bläulings (Osiris Blue), dessen Färbung der des männlichen Zwerg-Bläulings ähnelt.
Verbreitung und Lebensraum
Der Zwerg-Bläuling besiedelt ein großes Gebiet, das sich über Europa, Kleinasien, Transkaukasien, das Tian-Shan-Gebirge, West-, Zentral- und Südsibirien, den russischen Fernen Osten, die Amur-Region, die Mongolei, Magadan und Kamtschatka erstreckt.
In Großbritannien ist er der kleinste heimische Tagfalter und kommt dort nur sehr lückenhaft vor. Schwerpunkte liegen auf den Kalk- und Kreidegrasländern Südenglands, etwa in den Cotswolds und auf der Salisbury Plain. Andernorts in Großbritannien und Irland finden sich verstreute Kolonien vor allem an Küstenstandorten sowie in Nordengland und im äußersten Norden Schottlands.
Als Lebensraum nutzt die Art Kalkgrasländer, verlassene Steinbrüche, Bahndämme und Böschungen sowie Waldränder und Lichtungen. Die monatlichen Beobachtungszahlen zeigen einen deutlichen Schwerpunkt in den Sommermonaten, was auf eine saisonale Flugzeit im Frühsommer hindeutet, lässt aber keine Aussage über die tatsächliche Bestandsgröße zu.

Ernährung und Nahrung
Die Raupen des Zwerg-Bläulings ernähren sich ausschließlich von Schmetterlingsblütlern (Leguminosen). Zu den belegten Futterpflanzen zählen Oxytropis campestris, Astragalus alpinus, Lotus corniculatus, Anthyllis vulneraria, Steinklee-Arten (Melilotus), Kronwicken (Coronilla), Luzernen (Medicago) sowie weitere Tragant-Arten wie Astragalus glycyphyllos und Astragalus cicer.
In Großbritannien legen die Weibchen ihre Eier ausschließlich auf dem Wundklee (Anthyllis vulneraria) ab, auf dem sich auch die Raupen entwickeln und ernähren. Die Art ist damit eng an diese eine Pflanze gebunden.
Während die Weibchen ihren gesamten Nährstoffbedarf aus Pflanzen decken, nehmen die Männchen zusätzlich Salze und Mineralien aus Aas, Dung und feuchten Pfützen auf. Dieses Verhalten versorgt sie vermutlich mit Stoffen, die über die Nektaraufnahme allein nicht gedeckt werden können.
Fortpflanzung und Lebenszyklus
Die Balz des Zwerg-Bläulings verläuft unkompliziert: Männchen besetzen einen Sitzplatz auf Gras oder Gestrüpp und verteidigen ihn energisch gegen Rivalen, während sie auf vorbeifliegende Weibchen warten.
Jungfräuliche Weibchen paaren sich beim Vorbeiflug ohne aufwendiges Balzverhalten mit dem wartenden Männchen. Bereits verpaarte Weibchen verbergen sich dagegen im Gras, um weiteren Annäherungsversuchen anderer Männchen zu entgehen.
Schutz und Bedrohungen
Der Zwerg-Bläuling wird von der IUCN als nicht gefährdet eingestuft. In Großbritannien hat die Art jedoch in den letzten Jahren einen erheblichen Teil ihres Lebensraums verloren.
Dort gilt sie deshalb als Priority Species für den Naturschutz in Nordirland und ist im Rahmen des UK Biodiversity Action Plan gelistet. Sie zählt zu den 41 Arten von besonderer Bedeutung nach Schedule 5 des Wildlife and Countryside Act von 1981 und der Northern Ireland Wildlife Order von 1985.
Kulturelle Bedeutung
Kulturell wird der Artname Cupido mit dem gleichnamigen römischen Gott der Liebe in Verbindung gebracht: Als die Römer die griechische Mythologie übernahmen, verwandelten sie Eros in Cupido und passten seine Geschichten und Attribute an römische kulturelle Werte an.
Wissenswertes
- Mit einer Flügelspannweite von nur 16–27 mm gilt der Zwerg-Bläuling als kleinster Tagfalter Großbritanniens.
- Der lateinische Artname Cupido verweist auf den römischen Liebesgott, obwohl der Falter selbst kaum blau gefärbt ist.
- Männchen nehmen Mineralien nicht nur aus Blüten, sondern auch aus Aas, Dung und feuchten Pfützen auf – ein Verhalten, das bei Weibchen nicht vorkommt.
Fotos
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Ökologie und Klassifikation
Lebensraum
Verhalten
- Territorial
- Sozial
- Tagaktiv
Ernährung
- Pflanzenfresser
Klassifikation
- Stamm
- Arthropoda
- Klasse
- Insecta
- Ordnung
- Lepidoptera
- Familie
- Lycaenidae
- Gattung
- Cupido
- Art
- Cupido minimus
Quellen
- GBIF Species names and classification
- iNaturalist Photos
- Wikidata Common names and conservation status
- Wikipedia Summary extract
- GloBI What it eats, what eats it, parasites and pollinators
- trophiCH
- Schwarz et al. 2021
- EuPPollNet



